Dienstag, 30. November 2010

James Hansen ist überraschend in der Schweiz

Wir haben es geschafft. James Hansen wird heute spontan nach Pontresina fahren und dort einen Vortrag halten. Der Ort wurde deshalb gewählt, da hier nächsten Montag am 13. 12. eine Abstimmung über eine Konzessionsvergabe über ein Punpspeicherwerk stattfindet. Repower, eine Firma die in Kohlekraft investieren möchte, möchte hier ein Kraftwerk bauen, mit dem dann potentiell der Kohlestrom gespeichert und teuer als Wasserstrom verkauft werden kann. Ich werde hinfahren um Hansen persönlich zu sehen.


Hier noch die Medienmitteilung des Organisators:

Prominenter Besuch in Pontresina — Einladung von Presse und Öffentlichkeit zu einer Informationsveranstaltung

— Medienmitteilung —

Weltbekannter Klimaforscher besucht überraschend die Schweiz — Dr. James Hansen, spricht am Dienstag, 30. November 2010 zur Gemeinde Pontresina; 20.00 Uhr Hotel Saratz, Pontresina
Dr. James Hansen*, will am Dienstag 30. November 2010 nach Pontresina fahren und am Abend zur Gemeinde sprechen. Der weltbekannte Klimaforscher und Lehrende am Earth Institute der Universität Columbia in New York, hat sich kurzfristig bereit erklärt, nach Graubünden zu reisen. James Hansen ist wegen seiner Arbeiten zum Verständnis des Klimasystems der Erde bekannt. Sein Spezialgebiet ist die Vorhersage von Klimawandel. Er ist erstmals 1988 öffentlich in Erscheinung getreten, als er vor dem Kongress der USA eine Erklärung ('testimony') abgab, dank der die Bedeutung von Klimawandel einer breiteren Bevölkerung bewusst geworden ist. In jüngster Zeit engagiert sich James Hansen dafür, dass die Treibhausgasemissionen weltweit stark und schnell reduziert werden — und auch dafür, dass die Möglichkeiten aktiviert werden, die jetzt schon zur Verfügung stehen, um überschüssiges CO2 wieder aus der Atmosphäre zu entfernen. Die öffentliche Veranstaltung im Hotel Saratz, Pontresina, beginnt um 20.00 Uhr.

James Hansen ist im Moment in Europa, um die Übersetzung seines Buches 'Storms of my Grandchildren' zu organisieren und vor Wissenschaft und Öffentlichkeit zu sprechen. Die Ausführungen in Englisch werden in die Deutsche Sprache übersetzt.** Im Anschluss an seine Ausführungen wird Dr. Hansen für Fragen zur Verfügung stehen. 

Die Gemeinde Pontresina befindet am Montag 13. Dezember 2010 über das Konzessionsgesuch der Repower AG, betreffend des Pumpspeicherprojekts 'Lago Bianco'. Die Repower AG, will sich am Bau von neuen Kohlekraftwerken im Ausland beteiligen. Im kalabresischen Saline Joniche plant die Repower-Tocher SEI ein neues Steinkohlekraftwerk. Es ist das grösste Neubauprojekt für Strom aus Kohle in Italien. Das von Repower projektierte Steinkohlekraftwerk in Brunsbüttel, Schleswig-Holstein, ist das grösste seiner Art in Deutschland. Auch in Brunsbüttel ist die Projektgesellschaft mehrheitlich im Besitz der Repower. Die beiden projektierten Kohlekraftwerke sind besonders wegen ihrer Wirkung auf das Klima umstritten. Sie würden so viel CO2 ausstossen, wie alle Motorfahrzeuge der Schweiz.  

Rückfragen und Auskünfte: Peter Vogelsanger

* James Hansen ist auch Direktor des Goddard Institute for Space Studies (GISS) der NASA. Sein Besuch in Pontresina ist jedoch ein privates Engagement. Information zu James Hansen: http://en.wikipedia.org/wiki/James_Hansen ; http://de.wikipedia.org/wiki/James_E._Hansen . Seine persönliche Webseite ist: http://www.columbia.edu/~jeh1/ . Bereits 2008 hat sich James Hansen dafür eingesetzt, dass die Schweizer Energiewirtschaft auf Investitionen in ausländische Kohlenkraftwerke verzichtet. Sein Brief an die Regierung der Eidgenossenschaft ist in deutsch hier zugänglich: http://www.columbia.edu/~jeh1/mailings/20081113_Switzerland_German.pdf (Deutsche Übersetzung); Englisches Original: http://www.columbia.edu/~jeh1/mailings/20081113_Switzerland.pdf
Informationen zu seinem Buch Storms of my Grandchildren: http://en.wikipedia.org/wiki/Storms_of_My_Grandchildren

** Es wird jedoch keine Simultanübersetzung geben.

Montag, 29. November 2010

Zwei bis sechs Grad

Aktuell
Am Samstag, 27.November war weltweiter
Kauf Nix Tag. Hier zwei amüsante Links zum Thema, von der grössten Deutschen Website für bewussten Konsum:

www.utopia.de/magazin/heute-geschlossen-kaufen-sie-nichts-kauf-nichts-tag-buy-nothing-day
www.utopia.de/produktguide/produkte/nichts-21497


Seit ich mich intensiv mit dem Klima und unserem Verbrauch von Rohstoffen und Natur beschäftige, fällt es mir deutlich schwerer mich entspannt zum Einkaufen zu begeben (Meine Mutter wird das sicher gerne bestätigen).  Deshalb sind Kauf Nix Samstage für mich mittlerweile nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Alle fragen mich immer, wie ich die Zeit für diesen Blog und meine sonstigen Aktivitäten finde. Nun, wenn man nur das Nötigste kauft, Kleider tauscht und auch mal auf etwas verzichtet, dann spart man nicht nur Geld, sondern auch ungemein viel Zeit. Probiert es doch mal selber. Nichts kaufen ist definitiv die einfachste Art aktiv zu sein.

Wie gehts weiter ?

Das ist natürlich die zentrale Frage und um die zu beantworten, haben die Regierungen 1988 den  Weltklimarat gegründet (
Weltklimarat =  IPCC = Intergovernmental Panel on Climate Change). Man sieht also, dass schon 1988 Wissenschaftler vor der Klimaerwärmung gewarnt haben. Der Rat besteht zwar aus Wissenschaftlern, diese tragen aber im Rahmen ihrer Ratsarbeit nur die wissenschaftlichen Ergebnisse der Forschung von Arbeitsgruppen der ganzen Welt. Diese Ergebnisse werden für die Regierungen der Welt verständlich aufbereitet und müssen von ganz vielen Seiten abgesegnet und überprüft werden. Dabei kommt es natürlich häufig zu Kompromissen bei der Formulierung. Man kann sich leicht vorstellen, dass oft eine vorsichtige Variante herauskommt. Besonders die USA und China stehen im Verdacht, Druck ausgeübt zu haben, so dass der letzte Bericht abgeschwächt wurde.

Das sagt der Weltklimarat

Der Rat arbeitet mit verschiedenen Szenarien, d.h. mit verschiedenen Annahmen der Erwärmung, je nachdem, ob die Welt ihr Verhalten ändert oder nicht. Wenn wir so weiter machen, wie bisher, dann rechnet das IPCC mit globalen Temperaturerhöhungen von bis zu 6 °C in den nächsten 100 Jahren. Lokal sind deutlich mehr oder weniger möglich. Wie stark der Meeresspiegel ansteigt ist umstritten, dürfte aber nach neuesten Schätzungen mind. 1 Meter sein. Katastrophen wie in Pakistan, Russland und China dieses Jahr werden zur Regel. Die Niederschlagsmenge und Verteilung wird sich ändern. Der Golfstrom wird sich abschwächen, aber Nordeuropa wird sich trotzdem nicht abkühlen, da die Erwärmung den fehlenden Golfstrom ausgleicht. Sehr viele Arten werden sich nicht anpassen können und aussterben. Es gibt noch sehr viel mehr Folgen, aber das würde den Rahmen dieser Mail sprengen. Genauer und ausführlicher findet Ihr das z.B. bei Wikipedia:


http://de.wikipedia.org/wiki/GlobaleErw%C3%A4rmung


Was sagen andere Experten
Ein sehr bekannter Klimaforscher aus den USA, James Hansen ist D
irektor eines Instituts der NASA und Professor für Erd- und Umweltwissenschaften. Er hat schon in den 80er Jahren vor der Klimaerwärmung gewarnt und die heutigen Temperaturen bereits damals ziemlich genau vorhergesagt. D.h. es ist ein Mann, den man ernst nehmen sollte. Er kennt die Modelle der Klimaforscher und weiss, dass die Kipppunkte des Klimas nur schlecht modelliert werden können. Aufgrund seiner Forschung warnt er vor schlimmeren Folgen, als vom IPCC dargestellt.

Ausblick

Hansen hat gerade kürzlich sein 1. Buch zum Thema veröffentlicht und es ist sehr spannend. Nächste Woche möchte ich euch seine wichtigsten Befürchtungen vorstellen.



    liebe Grüsse
            Christina

Samstag, 20. November 2010

Podiumsdiskussion mit Repower in Schiers


Die Veranstaltung heute war ein Erfolg. Der Gemeindesaal war voll und ca.300 Bürger und Bürgerinnen haben engagiert mit den anwesenden Wissenschaftlern und Firmenvertretern diskutiert. Es waren Betroffene aus Bolivien und Brunsbüttel, Radio und Fernsehen anwesend.

Mein Fazit aus der fast 3 stündigen Veranstaltung: Es gibt keine guten Gründe für Kohleenergie, aber eine Menge guter, überzeugender Gründe dagegen.

Dafür:
  • Kurzfristige Geldgier

Dagegen:
  • Sehr hoher CO2 Ausstoss pro Energieeinheit
  • Die Klimaerwärmung wird verstärkt
  • Schlechte Energieeffizienz im Vergleich mit anderen Kraftwerken
  • Weite Transportwege des Brennstoffes (Kohle kommt aus Bolivien)
  • Verherrende Abbaumethoden in Bolivien, sowohl ökologisch, wie auch sozial und ethisch
  • Luftverschmutzung durch Kohlestaub, sowohl am Abbauort, wie auch am Standort Brunsbüttel
  • Grosse Mengen dreckiger Asche müssen wieder abtransportiert und gelagert werden
  • Kühlwasser erwärmt die Elbe - d.h. Kraftwerke müssen im Sommer allenfalls abgestellt werden
  • Kohlekraftwerke sind Grundlastwerke, können also nicht schnell und einfach an die Leistungen der Erneuerbaren angepasst werden
  • Neue Emissionsverordnungen in der EU würden das Kraftwerk und damit die Investitionen unrentabel machen
  • Kohlestrom kann derzeit sehr billig hergestellt werden, da obige Verschmutzungen im Kohlepreis nicht eingerechnet sind und konkurrenzieren damit die Erneuerbaren, so dass deren Einführung verlangsamt wird
  • Der Hafen in Brünsbüttel (Unterlauf der Elbe) wird durch Kohletransport blockiert und es hat weniger Platz für Schiffe, die Material für Windanlagen liefern
  • Die Stromleitungen werden durch Kohlestrom blockiert und haben weniger Kapazität für den Strom aus den Windkraftanlagen in der Nordsee
  • Schlechtes Beispiel für ärmeren Länder: Wenn sich nicht mal die Reichen von Kohlestrom verabschieden, wer soll es denn dann machen
  • Glaubwürdigkeit für Klimaverhandlungen mit anderen Ländern sinkt

 Deshalb:

Falls ihr noch weitere Gründe kennt, dann schreibt mir doch bitte.
Liebe Grüsse
Christina

Freitag, 19. November 2010

Tipping Point und Albedo sind wichtiges Fachlatein

Aktuelles
Morgen ist in Schiers eine Pdiumsdiskussion mit Repower  wegen geplanten Investitionen in Kohlestromanlagen. Ich werde morgen dort vor Ort sein, um mit vielen Anderen gegen dieses Vorhaben zu argumentieren. Die folgenden Ausführungen zeigen euch warum es so wichtig ist, sich jetzt zu engagieren.

Rückkopplung
Wenn die bisher von mir beschriebenen Prozesse der Erwärmung durch die Treibhausgase, die Strahlung absorbieren und als langwellige Wärmestrahlung wieder abgeben, die einzigen wären, dann wäre die globale Erwärmung leicht zu berechnen und auch die Modellvorhersagen wären nicht so umstritten. Leider wirkt diese erste Erwärmung durch  die Treibhausgase auf andere natürliche Prozesse und es kommt zu Rückkopplungseffekten, die nicht mehr so leicht einzuschätzen und berechnen sind. Im folgenden stelle ich die wichtigtsten dieser Effekte vor.

Albedo = Rückstrahlvermögen der Oberfläche
Solange die Pole und Gletscher mit dauerhaftem Eis bedeckt sind, wird ein grosser Teil des Sonnenlichtes (bei Schnee bis zu 90%, bei Eis ca. 50%) ins All zurückgestrahlt und trägt nicht zur Erwärmung der Oberfläche bei. Wasser dagegen strahlt nur 6% zurück und nimmt 94% auf, d.h. es erwärmt sich. Boden absorbiert, je nach Bepflanzung ca. 80-90%, er wird auch warm. Das heisst, dass abschmelzende Pole und Gletscher die Klimaerwärmung verstärken. Das ist auch mit ein Grund, warum das Abschmelzen an den Polen so viel schneller passiert, als ursprünglich aufgrund von einfachen Modellrechnungen erwartet wurde. Sobald nämlich auf der Oberfläche Wasserpfützen auftreten oder der Schnee zu Eiskristallen zusammenschmilzt, wird das Sonnenlicht besser absorbiert und die Erwärmung beschleunigt, was dann zu noch mehr Wasserpfützen führt usw. Wenn auf einer grossen Fläche wie der Arktis anstatt 10-50% nun 94% des Sonnenlichts absorbiert werden, dann beschleunigt das auch die Erwärmung des globalen Klimas und vor allem der Weltmeere. Forscher befürchten, dass nach dem völligen Abschmelzen der Arktis der Albedo Effekt alleine ausreicht um die Erde weiter zu erwärmen.

Wasserdampf, Wolken und Ozeane
Wie ich schon erklärt habe, ist Wasser selbst ein starkes Treibhausgas. Wenn es wärmer wird, dann kann die Luft mehr Feuchtigkeit enthalten und es wird auch mehr aus Flüssen, Ozeanen und Seen verdunsten. Nun gibt es zwei Effekte:
1. Es bilden sich Wolken. Teilweise haben die Wolken eine helle Oberseite und reflektieren die Sonnenstrahlung => Abkühlung. Leider gibt es aber auch Wolken, die zur Erwärmung beitragen, da sie die Wärmestrahlung besser auf der Erde halten. Und der Wasserdampf in der Luft wirkt als Treibhausgas und wärmt die Erde weiter auf.
2. Die Ozeane absorbieren einen grossen Teil des globalen CO2 und auch der Erwärmung. D.h. die Ozeane werden saurer und wärmer, dämpfen damit also die auf der Erde messbare Erwärmung etwas ab. Je wärmer die Ozeane werden, desto weniger CO2 können sie speichern. D.h. irgendwann wird die CO2 Aufnahme langsamer und mehr von unserem erzeugten CO2 verbleibt in der Atmosphäre, wo es zur Erwärmung beiträgt.


Methan
Methan ist ein 22 mal so wirksames Treibhausgas wie CO2. Leider wird es nicht nur durch Menschen und Tiere erzeugt, sondern liegt auch in gigantischen Mengen gefroren auf dem Meeresgrund und in Permafrostböden, d.h. Böden, die ständig gefroren bleiben. Keiner weiss, ab welcher globalen Temperatur diese Methanverbindungen auftauen und in der Atmosphäre die globale Erwärmung weiter steigern.

Regen- und andere Wälder
Die Regenwälder wirken im Moment noch wie ein gigantischer CO2 Speicher. Durch die Klimaerwärmung ändern sich aber auch Wetterbedingungen. So wird von Forschern befürchtet, dass die Zonen, in denen Regenwälder wachsen, trockener werden. Dadurch kann es neben der ohnehin zunehmenden Abholzung und Brandrodung auch zu mehr natürlichen Waldbränden kommen und sehr viel CO2 wird in die Atmosphäre gelangen. Dieses trägt dann zu einer weiteren Erwärmung bei.

Tipping Point, Kippschalter, Kippelemente
Wie die obigen Punkte zeigen, ist unser Klimasystem nicht linear und einfach zu berechnen, sondern enthält viele Prozesse, die sich gegenseitig beeinflussen. Leider verursachen die meisten dieser bekannten Rückkopplungen eine weitere Erwärmung. Ich muss zugeben, dass mir diese Punkte am meisten Angst machen, denn niemand kann mit Bestimmtheit sagen, ab wann wir als Menschheit nichts mehr gegen die Erwärmung tun können, sondern hilflos den obigen Mechanismen ausgeliefert sind. Deshalb ist es auch so wichtig einzuschreiten und aktiv zu werden, bevor es so weit kommt.  Das 2 Grad Ziel wurde deshalb auch bei der letztjährigen Klima-Konferenz von den meisten Staaten als Ziel anerkannt, nur beim Weg dorthin fehlte die Einigkeit.

Ausblick
Es gibt einen kurzen Film (10 min, deutsch), in dem diese Zusammenhänge gut und sehr düster dargestellt sind: http://www.cinerebelde.org/wake-up-freak-out-then-get-a-grip-p-83.html?language=de.
Und wie gehts weiter? Wird es immer wärmer oder haben wir die Chance, dass die Erde sich dann auch mal wieder abkühlt? Mehr dazu im nächsten Mail.

Viele Grüsse und bis bald
Christina

Freitag, 12. November 2010

Petitionen, Abgeordnete und Produkteauswahl

Aktuelles
Schon über 300 Freunde erhalten nun wöchentlich meinen Brief, das finde ich super. Ich hoffe, dass ich euch Themen und Informationen näher bringe, die ihr sonst nicht so in der aktuellen Presse findet. Ich freue mich auch immer über Feedback. In der Schweiz gibt es zwei wichtige Termine, an denen man etwas für das Klima tun kann.

Repower und die Kohlekraftwerke
Am 20.11. findet in Schiers eine Podiumsdiskussion mit dem Energiekonzern REPOWER statt. Dieser will in Deutschland und Italien zwei riesige Kohlekraftwerke bauen. Für das Klima wäre das ein Desaster. Und für die betroffenen Regionen auch, stossen doch Kohlekraftwerke neben CO2 riesige Mengen weiterer Schadstoffe aus. Die Diskussion wird sicher spannend. Denn auf dem Podium sind der Klimaforscher Prof. Reto Knutti von der ETH Zürich, Dr. Frank Vöhringer ein Dozent an der ETH Lausanne, Susan Boos, Redaktorin der WOZ, sowie Repower CEO Kurt Bobst und der Stv. CEO und Chef Anlagen, Felix Vontobel.

Mit unserer Anwesenheit können wir zeigen, dass die ganze Schweiz dieses Projekt beobachtet und ein starkes Signal an REPOWER senden . Ich werde auf jeden Fall da sein und hoffe auf das ein oder andere bekannte Gesicht. (Anfahrt mit dem Zug: 12:37 ab Zürich) https://assets.wwf.ch/downloads/plakat_kohle.pdf

Für Zürcher:  Abstimmung zum Rosengartentram und zur Parkplatzverordnung
Beide zielen darauf ab, dass neben dem Auto auch ÖV und Velos wichtiger Teil des städtischen Verkehrs sind. Da der private in der Schweiz oft Freizeitverkehr einen grossen Teil zum CO2 Ausstoss beiträgt, ist das meiner Meinung nach zu begrüssen. Ich habe 2 x Ja beim Rosengartentram und Ja zur Parkplatzverordnung gestimmt.

Direkte Demokratie in Deutschland
So heute komme ich endlich dazu etwas zum Thema direkte Demokratie in Deutschland zu schreiben. Seit kurzen bekomme ich auch in der Schweiz die Abstimmungsunterlagen und ich staune, wie intensiv und detailliert sich das Schweizer Volk regelmässig mit Politik auseinander setzen kann. Da werden genaue Budgetpläne für jede neue Strasse usw. angegeben und alles muss verständlich erklärt werden. Aber auch in Deutschland gibt es, neben wählen gehen und sich wählen lassen, weitere Möglichkeiten sich an der Politik zu beteiligen.

Petitionen einreichen
Es gibt die Möglichkeit beim deutschen Bundestag Petitionen einzureichen. Mit einer Einzelpetition kann man individuelle Bitten oder Beschwerden vortragen. Interessanter ist allerdings die Möglichkeit einer öffentlichen Petition, wo Bitten oder Beschwerden, die von allgemeinem Interesse sind, eingereicht werden können. Sie werden nach ihrer Zulassung im Internet veröffentlicht und können dort unterzeichnet und diskutiert werden. Wenn eine öffentliche Petition innerhalb von drei Wochen nach Veröffentlichung von mind. 50.000 Menschen unterzeichnet wird, dann muss sie öffentlich im Petitionsausschuss beraten werden.  Praktisch ist, dass das alles online möglich ist.

Die offizielle Webseite der Petitionen findet ihr hier:
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=faq#faq_6
Es lohnt sich auf jeden Fall, sich beim Bundestag zu registrieren, auch wenn man selber keine Petition einreichen möchte. Denn es gibt natürlich auch schon viele andere Petitionen, die der Unterstützung wert sind. 

Im folgenden Link wird die Petition von Greenpeace beschrieben, die fordert, dass der Klimaschutz ins Grundgesetz muss. Sie hat sehr schnell über 300‘000 Unterschriften erreicht und diese wurden im Oktober mit 10 Transportfahrrädern dem Petitionsausschuss übergeben. Der folgende Bericht ist wirklich lesenswert:

http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2010/31984867_kw43_goering_eckardt_greenpeace/index.html

Mit Abgeordneten Kontakt aufnehmen
Folgende Greenpeace Seite hilft euch herauszufinden wer euer Abgeordneter ist und zeigt direkt die Email und Webseite der Abgeordneten. Die Seite zieht zwar auf den Atomausstieg, aber natürlich kann man den Abgeordneten auch zum Kohleausstieg oder anderen Anliegen schreiben.
https://greenpeace-energy.de/restlaufzeit/

Selber aussteigen
Die effektivste Methode ist SELBER auszusteigen. Glücklicherweise ist z.B. der Strommarkt in Deutschland liberalisiert und man kann daher auf einen völlig Atom- oder Kohlestromfreien Anbieter umsteigen.  Man kann Produkte liegen lassen, die von korrupten umweltschädigenden Konzernen hergestellt werden. Es zwingt einen auch niemand Kleidung, Spielzeug und Weihnachtsgeschenke aus Ländern zu kaufen, die unser Klima  und auch ihre eigene Natur und Menschen zerstören und alle politisch Andersdenkenden einsperren. Es wird zwar immer schwieriger, aber es gibt die meisten Sachen doch noch Made in Germany, Made in Switzerland oder zumindest Made in Europe. Fragt nach! Denn wir wollen doch auch weiterhin hier arbeiten. Und hier haben wir auch die Kontrolle, ob die Firmen sich an ethische und ökologische Vorschriften halten.

Ausblick
Beim nächsten Mal möchte ich wieder auf das Klima zurückkommen. Es gibt noch viele weitere Zusammenhänge und Rückkopplungsmechanismen, die spannend  und wichtig sind.


    liebe Grüsse
            Christina

Freitag, 5. November 2010

Was haben Schuhe, Brot und Autofahren gemeinsam?

Aktuell
Ich bin diese Woche auf 2 Links gestossen:
www.mundraub.org zeigt auf einer Karte an wo Obstbäume, Beeren usw. ohne Besitzer herumstehen, so dass man dort in der
entsprechenden Jahreszeit auf die Suche nach Essbarem gehen kann. Die Seite hat ausserdem interessante Informationen rund um dieses Thema.

www.aspo-germany.org ist die  Webseite der ASPO (Association for the Study of peak Oil), die viele Informationen zum Thema Ressourcen hat.
Oliver und ich waren waren vor kurzem bei 2 Peak Oil Konferenzen. Der Vortrag eines Basler Professors hat uns so beeindruckt, dass ich diese Email daher zu diesem Thema mache. Ich habe allerdings nicht viele weitere Recherchen gemacht. Aber an der letzten Konferenz waren auch Politiker und der Chef von Shell Schweiz und keiner hat der Theorie wiedersprochen. Die einzige Unklarkeit ist der genaue Zeitpunkt.

Geht das Öl aus ?
Dass das Öl irgendwann zuende geht, darüber sind sich alle einig. Das gibt sogar die Erdölindustrie zu. Nur der Zeitpunkt steht zur Diskussion. Wenn man die Spanne von 30 - 100 Jahren hört, dann denkt man als Laie: " Da haben wir ja noch genug Zeit uns etwas anderes zu überlegen." Die verbreitete Meinung ist, dass der Preis dann langsam steigt und so mit der Zeit Ölersatzstoffe gefunden werden und wir sparsamer mit Öl umgehen. Leider ist das eine sehr theoretische Überlegung, die laut ASPO mit der Praxis herzlich wenig zu tun hat.

Nicht die Gesamtmenge Öl zählt, sondern wann die Nachfrage die Fördermenge übersteigt.
Leider kommt es gar nicht so sehr darauf an, wie lange das Öl insgesamt reicht, sondern eher, ab wann weniger Öl da ist als gebraucht wird. Man kann Öl nicht so fördern, wie Wasser aus einer Flasche ausgiessen, also immer die gleiche Menge, bis die Flasche leer ist. Wenn ein Ölfeld leerer wird,dann wird es schwieriger das Öl zu fördern. Es braucht mehr Aufwand und Energie. Das Öl kommt immer langsamer raus, da der Druck im Öllager sinkt und das Öl in den Poren im Erdboden liegt. Die Ölförderung verläuft also immer in einer Art Glockenkurve. d.h. erst ansteigend und dann abfallend. Unser weltweiter Verbrauch verläuft aber leider nicht in solch einer Kurve, sondern ist in den letzten Jahrzehnten immer gestiegen und zwar immer schneller. Wenn nun also die Ölförderung weltweit an den Punkt kommt, wo ein grosser Teil des vorhandenen Öls gefördert worden ist, dann kann ab da immer weniger Öl gefördert werden und die Förderung wird immer teurer. Der Punkt der maximalen Förderung wird Peak Oil genannt und ist also sehr wichtig für die Nutzung des Ölfeldes. In vielen Ländern ist der Peak schon überschritten, z .B. USA, Norwegen, England usw. Diese Länder fördern also jetzt jedes Jahr etwas weniger Öl. Sie verbrauchen aber alle immer mehr, mit der Konsequenz, dass immer mehr Länder Öl importieren müssen. Wenn nun aber der globale Peak erreicht ist, dann kann plötzlich die Nachfrage nach Öl nicht mehr befriedigt werden und der Preis steigt sprunghaft an, wie z.B. 2008. Dort hat dann die Finanzkrise die Welt vor der Ölkrise gerettet - welch ein Zufall. Einige sehen das als starkes Indiz dafür an, dass Peak Oil bereits stattgefunden hat. Ab diesem Zeitpunkt werden sehr schwankende Preise vorrausgesagt. Wenn die Wirtschaft wächst, dann wird das Öl sprunghaft teurer und dann gibt es wieder eine Krise und das Öl wird billiger.

Welche Länder haben noch Öl ?
Leider ist das Öl ausserdem ungleich verteilt und die grossen Vorräte liegen nicht bei Nationen, die demokratisch und stabil sind. Was passiert wohl, wenn die meisten Ländern mehr Öl selbst brauchen, als sie fördern können? Meint ihr, dass diese Länder das Öl dann noch verkaufen? Ich glaube eher, dass dann die Länder ihr kostbares Öl selbst nutzen wollen, um den technischen Fortschritt zu sichern. Das Gleiche ist dieses Jahr mit Weizen in Russland passiert. Da der Weizen im Land selbst knapp ist, hat Russland den Export verboten, obwohl die Weltmarktpreise hoch sind. Mein persönlicher Verdacht ist, dass sobald also die meisten Länder ihr Öl selbst verbrauchen, wird es auf den normalen Weltmarkt kein Öl mehr geben. Das wird dann vermutlich zwischen einigen Ländern und Eliten ausgehandelt. Wann es genau zu diesem Punkt kommt ist unklar, aber ich bin der Meinung, dass es nicht mehr lange dauern wird. Denn die Angaben über Reserven können in den OPEC Ländern nicht überprüft werden, da keine neutralen Beobachter zugelassen werden. Interessanterweise geben diese Ländern schon seit Jahren die gleichen Reserven an, obwohl sie jedes Jahr gigantische Mengen an Öl fördern.

Und dann?
Viele denke: "Naja, dann kann man halt nicht mehr so günstig fahren und fliegen, aber es gibt ja sicher auch bald die Elektroautos". Neben der Verwendung als Benzin, Heizöl und Kerosin, ist Öl mittlerweile der Grundstoff für fast alle Produkte, die wir heute fast täglich verwenden oder wird als Energie für die Herstellung gebraucht. Unsere ganze Nahrungsmittelherstellung beruht auf billigem Öl. Denkt an Traktoren , Dünger (die aus Öl hergestellt werden), Plastik, Böden, Farben, Kleider. Wenn nun plötzlich der Rohstoff, der so einfach und billig verfügbar war, knapp und teuer wird, dann hat das Einfluss auf unser gesamtes Wirtschafts- und Konsumsystem.
Man würde ja denken, dass sich unsere Regierungen und Firmen auf solche Szenarien vorbereiten würden. Leider passiert genau das Gegenteil. Unterstützt von der Erdöl- und Autolobby, wird weitergewirtschaftet, als ob nichts wäre. Wie beim Klimawandel warnen die Experten schon seit Jahren, aber nichts passiert.

Was haben Schuhe, Brot und Autofahren gemeinsam?

Die Produktion in den Mengen die wir heute für die immer grösser werdende Weltbevölkerung brauchen, kann nur mit einem billigen und einfachen Energieträger, wie Öl sichergestellt werden. Wenn das Öl knapp und teuer wird, dann bleibt nur zu hoffen, dass es für meisten Menschen wenigstens noch für das Brot reicht.

Und noch etwas
Wenn wir von einer durchnittlichen Generationendauer von ca. 30 Jahren und einer Gesamtdauer von ca. 150 Jahren Ölförderung ausgehen, dann bedeutet das, dass 5 Generationen das Öl, welches in Jahrmillionen entstanden ist, verbrauchen. Von Generationengerechtigkeit kann hier wohl keine Rede sein.

Ich habe die Inhalte sehr knapp und kurz geschildert und es gibt natürlich noch viel mehr Aspekte. Auf der Webseite www.aspo-germany.org sind viel mehr Fakten, Daten und Bilder vorhanden. Auch auf Wikipedia unter dem Stichwort Peak Oil findet man viele Informationen.

Ausblick
Wie man eine Petition im deutschen Bundestag einricht, das kommt doch erst das nächste Mal dran.

Für die Zürcher: Die Abstimmung über die Rosengartenstrasse steht an. Wir wohnen in der Nähe und jedesmal, wenn ich dort entlang fahre, wünsche ich mir einen Fahrradweg, der seinen Namen wert ist und einen Bus der nicht im Stau stecken bleibt.  Aber auch für alle, die nicht direkt betroffen sind. Ein doppeltes Ja gibt ein Zeichen, dass wir uns vom Öl weg in Richtung nachhaltigem Verkehr bewegen sollten.


Liebe Grüsse
Christina

http://christina-fuer-nachhaltigkeit.blogspot.com/