Mittwoch, 31. Dezember 2014

Wenn die Oma anfängt zu protestieren

Aktuell
Das Buch von Naomi Klein geht genauso spannend weiter wie es angefangen hat und auf jeder Seite bringt sie Wichtiges auf einen PUNKT. Genau passend zum Jahresausklang und hilfreich um im neuen Jahr richtig durchzustarten. Das Buch lohnt sich auf jeden Fall, aber es ist recht lang und auf Englisch. Wer weniger Zeit hat: Es gibt auch inspirierende Videos von Naomi. Am Ende werde ich dann noch, wie versprochen etwas zu unseren neuen Aktivitäten verraten.


https://www.youtube.com/results?search_query=naomi+klein&spfreload=1
(viele aktuelle Interviews und Talks in verschiedenen Längen von wenigen Minuten bis zu Stunden)

Aus dem Buch: This Changes Everything
Die Ausbeutung der Erde geht in ein neues Kapitel. Mit jeder eröffneten Mine, mit jeder neu geplanten Bohrung werden potentiell mehr fossile Brennstoffe aus dem Boden geholt, als wir jemals verbrauchen können, wenn wir die Erderwärmung unter einem gefährlichen Limit halten wollen. Die grossen Umweltorganisationen tun leider oft zu wenig, um diese Entwicklung zu stoppen. Zu sehr sind sie mittlerweile Mainstream mit ihren Forderungen und zu abhängig von den Geldern der grossen Firmen und der gemässigten Massen. Die Lösung muss also von anderer Seite kommen und zwar schnell. Aber solche Lösungen sind in Sicht, da die zunehmende Ausbeutung und das Kippen unserer Ökosysteme immer mehr Menschen tangiert.

"You know your governement has failed, when your grandma starts to riot"
(Du weiss, dass die Regierung versagt hat, wenn deine Oma einen Aufstand anfängt)

Durch die immer weiter zunehmende Bevölkerung, gleichzeitig abnehmende Qualität der Rohstoffquellen und neue Technologien werden immer neue Orte "entdeckt" die potentiell ausgebeutet werden können, zu immer höheren Kosten. Aber dadurch, dass in vielen dieser Regionen die lokale Politik und Bevölkerung noch nicht durch "Spenden", Bestechung oder Arbeitsplätze willfähig gemacht ist und die Anwohner noch wissen, was es heisst in einer intakten Umgebung zu wohnen, regen sich heute schneller Proteste und diese können aus einem breiten Fundus von weltweiten Informationen schöpfen. Unterstützt von Organisationen, wie AVAAZ,  SumOfUs, Greenpeace und vielen mehr, teilweise gemeinsam mit freiwilligen Juristen kämpfen die Gruppen auf allen Ebenen. Aber oft treffen sie auf knallharte Reaktionen der Regierungen, werden teilweise einfach eingesperrt und im schlechtesten Fall sogar umgebracht. Das führt vielerorts nach friedlichen Protesten zunehmend zu bewaffnetem Widerstand.

Unten ein paar Bilder und Links die zeigen, dass sich in vielen Regionen die Zusammensetzung der Prosteste langsam ändert (Im Buch gibt es ganz viele Beispiele).  Es sind nicht mehr nur grüne Fundis und alternative Ökos, die dagegen protestieren, dass ihre Heimat der Ausbeutung von Rohstoffen weichen muss, meist Hand in Hand mit Verschmutzung und Verbrauch von lokalem Trinkwasser, der Luft oder der Zerstörung von lokalen Ökosystemen und Landwirtschaft. Nein - die lokale Bevölkerung wehrt sich durchs Band, von der Grossmutter, bis zum Kleinkind, vom Unternehmer, bis zum Angestellten. Denn es geht um die Heimat und die Verteidigung des Rechts auf ein unversehrtes Leben in einer intakten Umwelt.

Was würdest du tun, wenn plötzlich in deiner Gemeinde durch Fracking neue Bodenschätze zugänglich würden, eine Abfüllanlage für Softdrinks das Wasser abzapft, eine neue Kohlemine die Verlegung von Häusern nötig macht, die Luft durch Abgase verschmutzt wird und tausende von LKW die dreckige Last an deinem Haus vorbei fahren. Genau - die erste Reaktion ist doch, das kann nicht sein, dass darf unsere Regierung nicht zulassen. Man muss doch etwas dagegen unternehmen. Leider passiert genau DAS in vielen Regionen der Welt und die Regierungen lassen zu, dass die Rechte der lokalen Bevölkerung missachtet werden und globale Konzerne diese quasi enteignen und sich das Land aneignen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Gruppen dabei nicht nur für ihr lokales Wohlergehen kämpfen sondern gleichzeitig auch für weltweite Menschenrechte und für Klimaschutz. Denn häufig geht die Ausbeutung Hand in Hand mit hohem Energieverbrauch, Abholzung und der Förderung von vielen Tonnen von klimaschädlichen Brennstoffen oder anderen Giften. Wenn diese in die Atmosphäre gelangen, dann geht uns das alle an. Wenn wir also das Glück haben, dass im Moment die Umweltzerstörung noch nicht bei uns angelangt ist, dann sollten wir bedenken, dass das unter Umständen nicht mehr lange so bleiben wird. Lasst uns das Sprichwort: "Nicht hinter meiner Haustür" (Not in my Backyard) ersetzen durch: "Weder hier noch irgendwo".

Naomi beschreibt in Ihrem Buch viele Orte des Widerstands, in Griechenland, Afrika und natürlich Kanada (ihrem Heimatland) und macht dabei Mut sich einzusetzen. JEDER Mensch kann einen Beitrag liefern und es ist wichtig lokale Fortschritte und Unabhängigkeiten anzustreben, auch wenn global nichts vorwärts zu gehen scheint. In Kanada, z.B. wird durch erbitterten Widerstand die Ausbeutung der Teeröle erschwert, eine der klimaschädlichsten und giftigsten Art Öl zu gewinnen. Auch in den USA gibt es starken Widerstand gegen die Pipeline durch das Land und dieser vereint dabei konservative Bauern, mit Indigenen und normale Bürger jeden Alters, die durch diese Aktionen mit Gleichgesinnten weltweit verbunden sind und plötzlich verstehen, was es heisst für Gesundheit und Ökologie zu kämpfen.

Ich wünsche mir von euch: Schliesst die Augen und stellt euch vor, was es bedeutet, wenn plötzlich in Velbert, Frankfurt, Köln, Zürich, Basel usw. Erdöl entdeckt wird, das nur durch Fracking gewonnen werden kann. Was es bedeutet, wenn ihr an einer Küste/Fluss wohnt und Überschwemmungen immer regelmässiger kommen, Wenn es Stürme gibt, die euch regelmässig das Dach abdecken. Wenn der Hang hinter eurem Haus sich potentiell in eine Schlammlawine verwandelt. Wenn es jedes Jahr heisser und trockener wird und die Ernte verdörrt. Wenn plötzlich ein Teil eurer Familie das Haus verliert und bei euch auf der Schwelle steht und um Aufnahme bittet.

Was würdet ihr tun ? Wollen wir wirklich warten, bis es soweit ist ?

Weitere Lektüre zum Thema:
https://www.woz.ch/1443/naomi-klein/auf-nach-blockadia-gegen-den-raubbau
http://www.huffingtonpost.com/alec-johnson/keystone-xl-blockade_b_6134732.html

Lichtblick
Wir haben mit ein paar Leuten einen Verein gegründet: fossil-free.ch, der im nächsten Jahr richtig abheben wird. Wir konnten schon mehrere tausend Franken Spenden  und 500 Kontakte sammeln. Damit wollen wir die weltweite Bewegung "Divest from fossil fuels" auch in die Schweiz holen. Unsere ersten Ziele werden Skigebiete, kirchliche Institutionen und Hochschulen sein. Diese sollen Ihre Anlagestrategie überdenken und sehen, dass es riskant ist, Geld in Firmen anzulegen, die mit der Ausbeutung von Rohstoffen Geld machen. Denn wenn es zu den nötigen Korrekturen zur Verhinderung des Klimawandels kommt, dann werden diese Firmen massiv an Wert verlieren, da die Aktienbewertung die zukünftige Fördermenge und die Reserven im Boden schon berücksichtigt. Diese Reserven dürfen aber nicht mehr gefördert werden, wenn wir unter 2 Grad Erwärmung bleiben wollen. Ausserdem sind diese Investitionen Angesichts des Klimawandels unethisch und bedrohen zum Teil direkt das eigene Geschäft (Skigebiete). Ihr könnt euch gerne in den Newsletter eintragen und ab ca. Mitte Januar auch Mitglied werden. 

Oliver und ich werden ausserdem eine neue Firma gründen (carbon-delta.com, noch nicht online), die sich mit dem Zusammentragen von Finanz- und Klimadaten beschäftigt. Oliver wird ab März rund 60% seiner Zeit mit dem Aufbau von carbon-delta verbringen. Mehr dazu im nächsten Jahr.

Der Klimawandel geht voran und beschleunigt sich. Gerne hätten wir mit dem Aktivismus gewartet, bis wir mehr Zeit haben, die Kinder grösser sind und und und .... . Eben alle die Dinge, die einen davon abhalten wichtige Dinge zuerst zu tun. Aber leider haben wir keine Zeit zu warten, der richtige Zeitpunkt ist JETZT.

Liebe Grüsse und ein aktives 2015
Christina

PS: 2014 ist das wärmste, jemals gemessene Jahr - weltweit - in Deutschland - in der Schweiz.
Mehr dazu im nächsten Blog.





Donnerstag, 18. Dezember 2014

Nix oder doch NIX oder fast nix

Ich und mein schönstes Geschenk
Alle Jahre wieder
Die Klimakonferenz geht mit schwachen Ergebnissen zu Ende (*hier lesen) und dann steht schon Weihnachten vor der Tür. Und ich stelle mir jedes Jahr die gleiche Frage: Wie kommt man nachhaltig durch die Weihnachtszeit? Mit Kindern wird das Thema noch schwieriger, vor allem wenn sie in dem Alter sind, in dem sie schon selbstständig durch Online-Shops surfen und ihre digitale Wunschliste per Knopfdruck an die gesamte Verwandtschaft versenden können. So hilft auch völlige Shopping-Abstinenz nichts. Ihr seht also, selbst für Nachhaltigkeits-Experten bleibt Weihnachten eine echte Herausforderung.

Neulich Abends im Wohnzimmer
Kinder surfend im Online-Shop.
Mama: "Schaut doch mal ob es nicht auch coole Geschenke auf der Seite faircustomer.ch oder rrrevolve.ch gibt." (beides Sites für nachhaltiges Schoppen)
Kinder: "Wääh, das kann man doch niemandem schenken, ist ja viel zu teuer und total uncool, wer will schon Holzspielzeug."
Mama: "Mmh, tja könnt ihr nicht irgendwas selber basteln."
Kinder: " Das geht ja gar nicht, so was kann man nicht verschenken."
Mama: "Naja, vielleicht Gutscheine für irgendwelche Aktionen, z.B. Helfen."
Kinder: "Wir wollen was kaufen."
Mama: "Na dann schaut wenigstens auf ricardo (ebay für die Schweiz), ob es dort was gibt."
Kinder: "Man kann doch nichts Gebrauchtes verschenken."

Mama denkt: "Wenn doch Weihnachten schon vorbei wäre" ;)


Also hier, trotz allem, meine Tipps für coole und nachhaltige Weihnachten:
  • Ebay, Ricardo und SecondHand sind für mich immer noch Top und die Kinder müssen ja nicht unbedingt wissen, wo ihre Geschenke herkommen.
  • Geschenkekiste einrichten, wo man Sachen sammelt, die man selber bekommen oder gekauft und nie gebraucht hat. Da findet man meist etwas passendes.
  • Gutscheine für Kino, gemeinsames Essen, Massagen usw. verschenken
  • einige coole Produkte habe ich beim surfen natürlich schon entdeckt, z.B. rrrevolve.ch/products/reelight-city-velolicht-ohne-batterie/
  • Einfach mal ein kleines NIX verschenken, die Vorteile liegen doch auf der Hand: nimmt keinen Platz weg, verstaubt nicht, veraltet nicht, geht nicht kaputt, ....
  • Spielen, abhängen, schlafen schont die Nerven, das Portemonnaie u
    nd die Umwelt.
  • gemeinsam feiern spart Bäume, Licht und macht erst noch mehr Spass.
Und dann noch der ultimative und ganz uneigennützige Tipp ;)
Solarstrom verschenken z.B. für das Backen und Kochen im Jahr 2015: Diesen kann man ganz einfach auf meiner Webseite kaufen : mynewenergy.ch/de/aktuell/mynewenergy-aktuell/2014/12/9/fairpower-weihnachtsaktion/  und man bekommt einen tollen Gutschein für unter den Weihnachtsbaum.


Aber neben dem Problem des Verschenkens, bleibt ja auch immer das Problem des beschenkt werdens. Hier wäre meine Weihnachtswunschliste an das Christkind:
  • Preise, die die wirklichen Produktionskosten, einschliesslich Umwelt- und Klimabelastung wiederspiegeln.
  • Alle Produkte werden fair hergestellt, so dass auch Produzenten einen fairen Lohn und sicherer Arbeitsbedingungen haben.
  • Alle Produkte sind lang haltbar und reparierbar und kommen nicht aus der Mode.
  • Klar - wenn ich schon mal dabei bin, dann wünsch ich mir auch noch den Weltfrieden und dass dieser Klimawandel endlich weggeht. 
  • Und damit ich nicht ganz leer ausgehe ;) eine schöne Massage und viele selbstgemachte Kekse.

Für die nachhaltige Unterhaltung in den nächsten Tagen
Nebenrolle-Natur zeigt am Sonntag 21.12. um 14, 17 und 20 Uhr:
Cowspiracy, ein spannender Film zum Thema Fleischkonsum - also gerade passend zu Weihnachten.
http://nebenrolle-natur.ch/film-cowspiracy-sonntag-den-21-dezember-2014-details-folgen/
Ich werde vermutlich am Abend dabei sein.

Weitere Events von Nebenrolle-Natur im nächsten Jahr: http://nebenrolle-natur.ch/events/

in dem Sinne
bis ins neue Jahr und schöne, erholsame Tage
Christina

PS: Naja vielleicht melde ich mich doch noch im alten Jahr, denn bei uns tut sich einiges, z.B. haben Olli, ich und ein paar andere einen neuen Verein gegründet und dann gäbe es da noch viele Tipps für gute Vorsätze fürs neue Jahr.


Dienstag, 18. November 2014

Bundesrat und Klimaziele

Folgenden Brief habe ich heute abend an die weiblichen Bundesrätinnen anlässlich der Verhandlungen zum Klimaschutz geschickt. Schickt doch auch etwas ab! Am Ende findet ihr noch die relevanten Email Adressen.


Sehr geehrte Bundesrätin Sommaruga, Leuthard, Widmer-Schlumpf

Ich schreib Ihnen hier als Geschäftsleiterin des ersten umfassenden und unabhängigen Schweizer Stromvergleichsdienstes im Internet, als doktorierte Wissenschaftlerin, als Schweizerin und als Mutter. Ich beschäftige mich seit Jahren intensiv mit der Schweizer und der weltweiten Klimapolitik und der Stromwirtschaft. Die Wissenschaft bestätigt und die meisten Schweizer wissen, dass der Klimawandel eine der grössten Herausforderungen der Menschheit ist und in den nächsten Jahren aktiv angegangen werden muss. Als Bundesrätin müssen Sie natürlich viele Themen auf dem Radar haben und alle erscheinen wichtig. Da ist es nur natürlich, dass drängende, kurzfristige Probleme vorgezogen werden und die zwar wichtigen aber langfristigen Probleme nach hinten geschoben werden. Ich möchte Sie aber darauf aufmerksam machen, dass dieses Verhalten beim Klimawandel sehr gefährlich ist und die zukünftige Entwicklung sowohl der Schweiz, als auch vieler weiterer Staaten massiv gefährdet. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Problemen, kann man beim Klimawandel nicht später noch eingreifen, gegenregulieren und korrigieren. Wie durch die Wissenschaft gezeigt wurde, setzen sich Prozesse in Gang, die zum grossen Teil irreversibel sind, zumindest im Zeithorizont unserer Menschengenerationen. Wenn wir also gewisse Schwellwerte überschreiten, dann können wir später diese Kippschalter nicht mehr zurück schalten und sind dem weiteren Verlauf des Klimawandels ausgesetzt.

Ich bin mir sicher, dass Sie diese Kipppunkte kennen und verzichte hier darauf diese genau auszuführen,  nur auf einige wenige Tatsachen möchte ich hinweisen, die noch nicht so stark im Fokus der Öffentlichkeit sind:


  • die Arktis schmilzt deutlich schneller ab, als vom IPPC Report vorhergesagt wurde. Obwohl weiterhin umstritten ist, wann das erste Mal mit einem komplett eisfreier Arktissommer zu rechnen ist – die Vorhersagen schwanken zwischen den nächsten Jahren! und Jahrzehnten, ist man sich doch einig, dass die Arktis ohne massive Eindämmung des CO2 Ausstosses abschmelzen wird, mit unter Umständen fatalen Folgen für das Klima der Nordhalbkugel. Erste Auswirkungen zeigen sich bereits und der eintretende Albedo Effekt sorgt dann für eine weitere Erwärmung (Siehe beigelegte Grafiken).
  • Der Methanausstoss aus den sich erwärmenden arktischen Gewässern und Nordsibirien ist eine grosse Unbekannte, aber einige Wissenschaftler befürchten einen starken Anstieg dieses Ausstosses, was dann zu einer weiteren Erwärmung führen würde.

Diese zwei Kipppunkte haben bereits in der Vergangenheit das Klima der Erde stark beeinflusst und zum Teil vergleichsweise abrupte Änderungen bewirkt. Die genauen Auswirkungen der menschlichen  Störung des Erdklimas lassen sich schwer abzuschätzen, aber klar ist, dass es beträchtliche Risiken gibt, sowohl für die Landwirtschaft, Sicherheit (Tote durch Erdrutsche sogar im Tessin, Überschwemmungen), Tourismus, Katastrophen, und Wasserversorgung.

Diese zunehmenden Unsicherheiten und Kosten führen zusätzlich zu einer veränderten Sicherheitslage und damit zu einem grossen Risiko für mehr Kriege und Konflikten. Ich bin mir sicher, dass Sie sich auch bewusst sind, dass diese Katastrophen und Konflikte nicht nur monetär teuer sind, sondern unermessliches Leid über die Betroffenen bringen. Wollen wir wirklich unsere Kinder diesen Risiken aussetzen? Würden wir ein Flugzeug besteigen, wenn Absturzwahrscheinlichkeit grösser als 10% wäre? Nein, sicher nicht. Dass ein ungebremster Klimawandel grosse Auswirkungen hat, ist dagegen fast zu 100% sicher und trotzdem handeln wir nicht.

In der Schweiz sind wir es gewohnt, umsichtig und vorsichtig vorzugehen und sind damit in den letzten Jahren auch ganz gut gefahren. Manchmal aber muss man schnell reagieren und auf veränderte Rahmenbedingungen zügig handeln und eine langsame Reaktion wirkt sich nachteilig aus. Sie, als unsere Bundesräte, haben die Pflicht solche Situationen zu erkennen und dann entsprechend zu reagieren um die Sicherheit zu wahren.

Oft wird der Einwand gebracht, dass kein Land alleine das Problem lösen kann. Aber es wird auch nicht von der Schweiz verlangt, dass sie das globale Klimaproblem alleine löst. Die Schweiz muss nur die eigenen Emissionsprobleme lösen und kann damit neben den ganzen lokalen Vorteilen, der Weltgemeinschaft aufzeigen, dass es möglich ist, den Klimawandel beherzt anzugehen und dabei noch zu gewinnen. Wie sollen wir von anderen Ländern, viel ärmeren Ländern mit weniger gebildeten Bewohnern,  ein schnelles Vorgehen verlangen, wenn wir als eine der reichsten, gebildetsten Nationen der Welt die Lösungen jahrelang verzögern.

Zusätzlich wird auch oft mit Zahlen argumentiert, dass wir Schweizer weniger CO2 erzeugen, als unsere Nachbarländer und schon sehr gut sind. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Genaue Analysen zeigen, dass wir Schweizer mehr CO2 erzeugen als der Durchschnittseuropäer, ganz einfach weil uns mehr Kaufkraft zur Verfügung steht. Unsere grossen Emissionen, z.B. viel fliegen, unsere gesamte Produktion ins Ausland verlagern (vor allem nach China, wo mit Dreckstrom produziert wird), CO2 intensivere Fahrzeuge fahren, werden in der Rechnung und den meisten offiziellen Statistiken nicht berücksichtigt. sehr zynisch, zu behaupten, dass wir weniger CO2 verbrauchen, als unsere Nachbarländer. Und das trotz unseres sauberen Strommixes, den wir dem Mut und Pioniergeist unserer Vorväter zu verdanken haben.

Seien wir selbst auch vorausschauend, mutig und Pioniere. Helfen Sie mit. Wir sind es unseren Kindern und Kindeskindern schuldig, dass wir das mögliche tun um eine stabile Klima- und Sicherheitslage und eine hohe lokale Resilienz durch geringe Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu erreichen. Gleichzeitig können wir lokale Unternehmen fördern und die Wertschöpfung steigern. Lassen Sie uns die wirklichen Schweizer Werte umsetzen und mithelfen die grossen Risiken zu verhindern, die ein unbegrenzter Klimawandel mit sich bringt.

Bitte treten Sie dafür ein und verabschieden Sie ambitionierte Ziele, die sich mindestens an denen der EU orientieren. Sie haben schon einmal mutig entschieden, als Sie nach der Katastrophe von Fukushima den Atomausstieg voran trieben. Lassen Sie uns nicht warten, bis eine Klimakatastrophe solchen Ausmasses uns zum Handeln antreibt. Lassen Sie uns handeln, wie die Wissenschaft empfiehlt: Zügig, aber nicht panisch. Ich bin mir sicher, dass Sie Entscheidungen und Massnahmen bei der Bevölkerung und der Industrie gut vertreten können. Viele Umfragen zeigen, dass der Klimawandel sehr ernst genommen wird und auch viele Unternehmen sehen die Chancen eines guten Klimaschutzes. Die neueste Umfrage von Swiss Re zeigt, dass 43 % der Schweizer den Klimawandel und davon ausgelöste Katastrophen als eines der wichtigsten Probleme sehen. Mit einem starken Klimaschutz und klaren Rahmenbedingungen für die Unternehmen können wir nur gewinnen.

Herzliche Dank
Dr. Christina Marchand



Ihr könnt an folgende Email-Adressen schicken:
für EDA (Didier Burkhalter) info@eda.admin.ch
EDI (Alain Berset) media@gs-edi.admin.ch
EJPD (Simonetta Sommaruga) info@gs-ejpd.admin.ch
WBF (Johann Schneider-Ammann info@gs-wbf.admin.ch
UVEK (Dosis Leuthard) dominique.bugnon@gs-uvek.admin.ch
VBS (Ueli Maurer) ueli.maurer@gs-vbs.admin.ch
EFD (Eveline Widmer-Schlumpf) info@gs-efd.admin.ch
Bundeskanzlei (Corina Casanova) ivo.buehler@bk.admin.ch
media@bk.admin.ch

(sehr gern mit BCC-Blindkopie an info@fossil-free.ch):








Donnerstag, 6. November 2014

Cooler Film heute abend in Zürich

Aktuell
Wer hat spontan Lust heute abend einen spannenden Film zu schauen. Wir zeigen: "Promised Land” mit Matt Damon. Ein super Film mit viel Sonne gegen das graue Herbstwetter und wir haben wieder tolle Experten und Moderatoren (z.B. Christina ;) )
Heute 19:30 in der Roten Fabrik

Ausserdem in der Schweiz - jetzt ist die Zeit für Briefe an den Bundesrat 
Es stehen wichtige Entscheidungen zum Klimaschutz an. Der Bundesrat entscheidet sehr bald über die Klimaziele der Schweiz und diese sind leider gar nicht ambitioniert. Im Gegenteil, sie sind sogar so schlecht, dass sich über 70 Unternehmen und Organisationen in einem offenen Brief an den Bundesrat gewendet hat. Jetzt ist also die ideale Zeit Briefe an den Bundesrat zu schreiben und hohe Ziele für den schweizer Klimaschutz zu fordern.

http://www.klimakampagne.ch/#warum

Schreibt Leserbriefe an (z.B.)Bundesrätin Doris LeuthardSchweizerische Bundeskanzlei
Bundeshaus West
3003 Bern

oder andere Politiker.

verdrehte Wahrheiten
Es wir oft behauptet, dass die Schweizer im Vergleich mit den anderen Europäern gut dastehen und wir daher nicht mehr so viel machen brauchen, z.B. dass wir "nur" 6 Tonnen CO2 erzeugen anstatt 12 Tonnen, wie z.B. Deutsche. Das stimmt aber nur, wenn man Flüge und Konsum ausblendet. Die Schweiz hat fast die gesamte Industrie ausgelagert und die Schweizer fliegen vergleichsweise viel. Rechnet man diese Zahlen mit ein, dann sind die Schweizer plötzlich nicht mehr weit vorn - im Gegenteil.

Bis später vielleicht
Gruss
Christina



Dienstag, 14. Oktober 2014

WANN - JETZT

Aktuell - Kapitalismus gegen das Klima

NICHT
Die Welt wird vor unseren Augen durch den Klimawandel unwiederbringlich verändert, aber wir haben die Kunst perfektioniert wegzusehen. WARUM fragt sich Naomi Klein, eine begnadete Journalistin und Authorin. Und meiner Meinung nach gibt sie die richtige Antwort.
NICHT, weil es die technische Lösung nicht gibt. NICHT, weil Menschen nicht in der Lage sind vorausschauend  zu denken und planen. NICHT, weil wir nicht verzichten und hart arbeiten können. NICHT, weil es zu teuer ist. NICHT weil die Zeit nicht reif ist. NICHT weil es eh schon zu spät ist.

SONDERN
Weil die Umstellung, die für viele Menschen auf der Welt massive Verbesserungen bringen würde, unserer herrschenden Elite und dem Mantra des Kapitalismus zuwider läuft.

Und leider sind die meisten von uns in diesem Fall Teil dieser herrschenden Elite, was die Umstellung nicht gerade vereinfacht. Wirtschaftbosse, Politiker, Medienkontrolleure sind an der Macht und profitieren massiv vom momentanen Zustand. Oft ist dem einzelnen Menschen an der jeweiligen Position gar nicht klar, was er anrichtet, aber er handelt im Rahmen seines Auftrags um seine Position zu wahren.

GROTESK
Die meisten Menschen würden von den Umstellungen profitieren und für sehr viele würde es gleichbleibende Qualität bringen, nur Wenige müssen mit weniger zufrieden sein. Aber diese haben leider oft die totale Macht und wollen sie auch behalten.

ES GEHT

  • In vielen Gemeinden und Orten ist 100% erneuerbar schon Realität, die Technologie funktioniert also.
  • Für Welthandelsabkommen, Bekämpfung der Ozonschicht, Atomabrüstung haben wir es geschafft weltweite Kontrollsysteme einzuführen.
  • In der Finanzkrise hat sich gezeigt, dass genug Geld da ist, wenn es dringend gebraucht wird.
  • Menschen verzichten in der Gegenwart für die Einzahlung in Pensionskassen, für Ihre Kinder und Enkelkinder.
  • Im zweiten Weltkrieg hat Amerika innerhalb weniger Jahre ein Selbstversorgungssystem mit Gemeinsachaftsgärten eingeführt, welches fast 42% des Gemüsebedarfs gedeckt hat.
  • Menschen durften jahrelang nur reguliert Autofahren um Treibstoff zu sparen.


WANN
Die Zeit ist reif. Wissenschaftler und Wirtschaftsexperten geben uns ein Zeitfenster von 5-10 Jahren um Emissionen runter zu bringen. Zahllose Artikel, Studien, Forschung usw. zeigt, dass wir mit massivem Schaden und hohen Kosten rechnen müssen, wenn wir nichts machen.

Das Buch vonNaomi Klein ist dieses Jahr erschienen und leider nur auf englisch erhältlich. Ich habe auch gerade erst angefangen zu lesen und fand die ersten Seiten schon so treffend, dass ich diesen Blog schreiben musste. Ich berichte dann im weiteren Verlauf.

Naomi Klein : this changes everything  capitalism versus the climate
http://www.naomiklein.org/main


Lichtblick
Es gab mal wieder Neuigkeiten zur Liberalisierung des Strommarktes in der Schweiz, was ja das Kernthema meines Unternehmens ist. Ich habe dazu eine Medienmitteilung geschrieben, die ihr hier findet. bin heute von der NZZ interviewt worden, morgen gibts hoffentlich noch einen Artikel.
https://www.mynewenergy.ch/de/aktuell/MM/2014/10/9/was-bringt-die-liberalisierung/


Auswahl von Berichten über die Auswirkungen des Klimawandels.
http://orf.at/stories/2249429/2249430/
http://www.theguardian.com/environment/earth-insight/2014/mar/14/nasa-civilisation-irreversible-collapse-study-scientists
http://www.worldbank.org/en/topic/climatechange
http://www.srf.ch/wissen/natur-umwelt/klimawandel-auf-schaeden-warten-ist-zu-teuer

Montag, 22. September 2014

Lichtblick - weltweite Klimademostrationen

Aktuell - Lichtblick !
Die weltweiten Demonstrationen für mehr Klimaschutz waren ein voller Erfolg. Rund eine Million Menschen gingen auf die Strasse, allein in NewYork über 300'000, in Melbourne rund 30'000, in Berlin über 10'000. In der Schweiz waren es in Zürich 500 und in Genf rund 800.

Wir waren mit unserem Zürcher Anlass sehr zufrieden. Oliver ist heute nach Bern gefahren, um den von rund 500 Personen unterschriebenen Brief zu übergeben. Jetzt darf man gespannt sein, ob diese weltweiten Proteste Wirkung zeigen und die Verhandlungen, die am Dienstag stattfinden endlich konstruktiv und zukunftsgerichtet sind. Neben Obama, Hollande, mehreren Bundesräten aus der Schweiz werden zahlreiche weitere Länderchefs erwartet.

Wir waren sogar im Blick mit Foto !
www.blick.ch/news/ausland/groesste-klima-demo-aller-zeiten-dicaprio-mit-haut-und-haaren-fuer-die-umwelt-id3144200.html

Weitere Bilder siehe fossil-free.ch
www.klimaretter.info/protest/hintergrund/17251-310000-in-new-york-fuer-klimaschutz


Aktiv sein - heute abend Velodemo
Und es geht grad weiter: Heute finden weltweit Aktionen für eine autofreie Mobilität statt. In Zürich gibt es die alljährliche Velodemo. Treffpunkt ist auf dem Bürkliplatz um 18:30 Uhr. Oliver und ich sind dabei.

velodemo.ch
de.wikipedia.org/wiki/Autofreier_Tag

Film schauen
Nebenrolle-Natur zeigt  zusammen mit Projekt 21 an der ETH einen Film über Fracking.
Mi. 24.9. ETH Hauptgebäude
nebenrolle-natur.ch/818/ 

liebe Grüsse
Christina


Donnerstag, 18. September 2014

Klimaverhandlung in NewYork und Filmfestival


Aktuell
Nächste Woche findet der grosse Sonder-Klimagipfel in New York statt, zu dem der UN-Generalsekretär Ban-Ki-moon führende Regierungsvertreter eingeladen hat. Barak Obama und Hollande nehmen teil, während Angela Merkel diesem wichtigen Treffen,für mich unerklärlich, fern bleibt. Die Verhandlungsführer haben aus früheren Jahren gelernt und wollen die Eckpunkte schon vor dem nächsten Klimagipfel festlegen, um dann endlich ein tragfähiges Abkommen beschliessen zu können. Ohne dieses Abkommen können wir vergessen, dass die Erwärmung unter 2 Grad bleibt.

Weltweit sind aus diesem Anlass Protestaktionen geplant, unter anderem eine grosse Demonstration in NewYork und natürlich auch in Zürich (siehe unten). Auf der Webseite peopleclimatemarch.org sind 1800 Events eingetragen und man kann auch weitere erfassen.

Gerade vor einer Woche wurden die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die bestätigen, dass Klimaschutz nicht nur im ökologischen, sondern auch im wirtschaftlichen Interesse ist. Was gesunder Menschenverstand uns schon länger sagt, wird mal wieder bestätigt: "Ambitionierter Klimaschutz kann ein Motor für Wachstum und Wohlstand sein." Laut dem Bericht sind die nächsten 15 Jahre entscheidend für eine Wende.
http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natur/Klimaschutz-geht-auch-mit-Wirtschaftswachstum/story/14326626
http://www.klimaretter.info/politik/hintergrund/17211-15-klimaschutz-jahre-entscheiden-

Zusätzlich haben 160 preisgekrönte Umweltschützer aus 46 Staaten in der International New York Times einen eindringlichen Appell veröffentlicht, den Klimaschutz endlich ernst zu nehmen und Gelder aus Investitionen in fossile Brennstoffe abzuziehen und stattdessen in saubere, emissionsarme Technologien zu stecken.
http://www.klimaretter.info/protest/nachricht/17208-eindringlicher-appell-vor-dem-klimagipfel

Aktiv sein
Filme für die Erde Festival in der Schweiz morgen 19.9.
In Zürich und 13 weiteren Städten, Filme ab 12 Uhr, Eintritt auf Spendenbasis
http://filmefuerdieerde.org/14-9-19

Fossil-Free.ch übermorgen 20.9.
Deinvest ist ganz im Sinne des neuen Vereins fossil-free. Damit wollen wir auch in der Schweiz Druck aufbauen, Gelder klimafreundlich anzulegen und aus fossilen Energien auszusteigen. Oliver und Edwin sind massgeblich an der Gründung beteiligt und organisieren den Anlass in Zürich:

Kommt alle am 20.9. um 18 -19 Uhr an Helvetiaplatz für eine Liveübertragung nach NewYork, Interviews, Smartmob (Badebekleidung bringen) und einen Brief an Doris Leuthart unterschreiben. 
http://fossil-free.ch

Es wäre schön, wenn ihr zu einem der geplanten Events geht und damit zeigt, dass euch der Klimaschutz nicht egal ist. Es gibt bestimmt einen in eurer Nähe.
http://peoplesclimate.org/join-an-event/#host-iframe (Achtung Seite ist langsam)

Viel Spass beim Protestieren
Christina