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Freitag, 2. Dezember 2011

Auch deine Kohle erzeugt CO2

Aktuell
Die Klimakonferenz in Durban läuft jetzt seit 5 Tagen. Die Berichterstattung hält sich in Grenzen und die Erwartungen sind gering. Dabei lohnt es sich genauer hinzuschauen. Denn es ist mittlerweilen zwar allen klar, dass es um die Wurst - ääh - um die Erde geht und trotzdem passiert nichts. Warum? Weil die Regierenden, genauso wie wir Bürger total in ihrem normalen Alltag und Politikgeschäft festgefahren sind. Und da passt eine Kehrtwende in Richtung mehr Klimaschutz nicht so recht rein. Es gibt immer Dringenderes und Aktuelleres um das Wichtigste zu verdrängen.

Aber immerhin - einige extrem gefährdete Länder haben erkannt, dass es für sie um die Wurst geht. Und diese fangen langsam an, sich zu organisieren. Das z.B. Pakistan dazu gehört, sollte den Rest der Welt nicht gerade beruhigen. Ich frage mich, wann die ersten Klima-Terroristen Gewalt als die letzte Hoffnung sehen, um die Klimazerstörung in ihrem Land zu verhindern.
Globaler Klima-Risiko-Index 2012 auf www.germanwatch.org
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/26/0,3672,8402714,00.html
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,798873,00.html

Extreme Trockenheit
Der trockenste November aller Wetteraufzeichnungen geht zu Ende. In der Schweiz hat es den ganzen Monat kein einziges Mal geregnet. Die Berge sind braun - sieht ähnlich aus wie in Spanien. Das Jahr 2011 könnte hier einen neuen Wärmerekord aufstellen. Flusskraftwerke mussten bereits abgestellt werden, Fische verenden, Pflanzen vertrocknen.

Die Signale, die uns die Erde gibt, sind unübersehbar. Wie blind müssen wir sein, das zu ignorieren? Welche Katastrophe braucht es, um uns aufzuwecken?

Wer aufwachen will - morgen wäre gut
"Auch deine Kohle erzeugt CO2” ist der Titel unserer Aktion morgen Nachmittag auf dem Paradeplatz Zürich. Gemeinsam mit Occupy, Greenpeace und ZukunftstattKohle gibt es ab 13 Uhr Besammlung, ab 13:30 Vollversammlung, dann Themengruppen und ab 15 Uhr Performance und Unterschriftensammlung.
Zieht Businessklamotten an, bringt Papiergeld, Stift und Pappunterlage mit und helft mit, den von Schweizer Firmen geplanten Kohlekraftwerken den Todesstoss zu versetzen. Auf dem Paradeplatz könnt ihr gefahrlos euer Geld in das Kohlekraftwerk stecken. Bitte auch weitersagen oder mailen.
http://www.facebook.com/events/258454810877535/

Lichtblick
Super - Kohlefinanzierung ist endlich eine Medienthema: 20 Minuten berichtet über die Finanzierung von Kohlekraftwerken von Banken. Nun hoffen wir, dass viele Leute aufmerksam werden und endlich Druck auf die Grundlage des Kohlegeschäfts entsteht.
http://www.20min.ch/finance/news/story/22187277

Bei Einigen ist dieser Druck schon angekommen. Viele deutsche Stadtwerke sind aus dem Projekt Kohlekraft Brunsbüttel schon ausgestiegen oder planen den Ausstieg.

Und neueste Umfragen ergeben, dass über die Hälfte der Deutschen bereit wäre 20% und mehr zusätzlich für Strom zu bezahlen, wenn dieser die Umwelt nicht schädigt.

Ausserdem ist im Safiental ein cooler, solarbetriebener Skilift ans Netz gegangen! Photovoltaikzellen funktionieren am besten bei Kälte und durch die klare Luft in den Bergen, werden sie auch nicht so schnell dreckig. Die Schweizer Berge bieten also viele gute Standorte. Endlich wieder mit gutem Gewissen Skifahren ; ) http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/technik/Buendner-Skilift-verleiht-der-Sonne-Fluegel/story/29843394

Gruss
Christina

Freitag, 10. Juni 2011

Warum handeln wir nicht?

Aktuell
Ich wiederhole mich nicht gerne, aber ich muss weiter übers Wetter berichten. Wenn man die Schlagzeilen der letzten 2 Jahre in Bezug auf Extremwetterereignisse anschaut, dann kann es einem schon kalt den Rücken runterlaufen. Und das Wetter verändert sich ganz klar.  Im Moment sind wieder mal China und die USA im Brennpunkt. In China gibt es gleichzeitig schlimme Dürren und Überschwemmungen und in den USA die grössten Waldbrände seit langem.

http://www.handelsblatt.com/video/video-news/panorama/ueberschwemmungen-und-duerre-china-leidet-unter-wetterkapriolen/4268470.html

Auch in der Schweiz
Die betroffenen Menschen haben wenig Gelegenheit sich mit dem WARUM zu beschäftigen. Sie sind mit dem WIE rette ich mich und meine Dinge beschäftigt. Und alle anderen wollen sich möglichst nicht mit dem WARUM beschäftigen und hoffen, dass es weiterhin die Anderen trifft.
In der Schweiz klappt das ja meist ganz gut. Aber dieses Jahr hat es doch auch die Schweiz getroffen. Die Trockenheit war aussergewöhnlich und die durch die Dürre ausgelöste Situation hat sich noch nicht ganz entspannt. Offenbar wird das Heu in der Westschweiz knapp und es müssen Tiere geschlachtet werden, da nicht genug gefüttert werden kann. Andernorts wird das Gras in Parks und Gärten abgemäht und einfach auf den Kompost geworfen.

http://www.blick.ch/news/schweiz/westschweiz/westschweizer-kuehe-werden-notgeschlachtet-174058

Kleiner Exkurs: Milchwirtschaft
Man kann natürlich einfach mehr Kraftfutter einführen. Mittlerweile wird in der Schweiz fast ein Viertel des eingeführten Sojas an Kühe verfüttert. Dabei wären Kühe eigentlich ideal dazu geeignet Schweizer Wiesen abzugrasen und somit Urwald-verträglich Milch zu produzieren. Das würde auch den Schweizer Bauern mehr bringen. Denn sie könnten diese Milch als wirklich echte Schweizer Milch teurer vermarkten. Immerhin 82% sagen, dass sie Schweizer Produkte durch Mehrzahlungen unterstützen würden. Biomilchkühe werden immerhin zu 90% mit Rauhfutter gefüttert.

http://www.aargauerzeitung.ch/solothurn/schlaue-bauern-wenn-kuehe-gras-statt-soja-fressen-gibts-mehr-milchgeld-104994710

http://www.bernerzeitung.ch/wissen/natur/Die-moderne-Hochleistungskuh/story/13135703

Weidegras statt Kraftfutter: http://www.woz.ch/artikel/2011/nr08/thema/20413.html

Warum handeln wir nicht ?
Offensichtlich gibt es ja viele Signale des Klimawandels. Es gab auch schon Tote. Viele sogar. Viel mehr als bisher durch Atomkatastrophen gestorben sind. Denkt nur an die Überschwemmung in Parkistan und Australien usw.. Trotzdem haben keine Menschenmassen das sofortige Ende der CO2 Erzeugung gefordert. Warum? Weil das nicht so einfach ist. Es ist nicht so einfach und eben auch nicht anschaulich die Nichterzeugung von CO2, Methan und Lachgas zu fordern. Man kann nicht einfach ein paar böse Kernkraftwerke abstellen. Klar, man kann Kohlekraft abstellen. Aber die sind ja nur ein Teil des Problems. Um den Ausstoss der Klimagase im nötigen Mass zu reduzieren muss man an verschiedenen Stellen ansetzen: Wohnen, Mobilität, Ernährung, Konsum - alles heilige Kühe die da geschlachtet werden sollen.

Im spannenden Buch von John Cook “Climate Change Denial” = “Klimaleugner” wird versucht dem Phänomen auf den Grund zu gehen. Die These lautet: Sogar, wenn Menschen alle Informationen vorliegen und sie eigentlich klar die Wahrheit erkennen müssten, “glauben” sie nicht an den Klimawandel, weil sie Angst vor der Veränderung ihres Lebens haben. Angst, dass Veränderung zu Einschränkungen des Wohlstandes und der Freiheit führen würden. Angst sich zu exponieren. Angst anders zu sein als die Anderen, ja vielleicht die Dummen, die als Einzige reagieren. Sie verdrängen lieber und leugnen die Tatsachen. Denn der Mensch ist ein Gruppenwesen. Sogar wenn klar erkennbar eine Lösung richtig ist, lassen sich Probanden einer Studie von einer Mehrheitsmeinung beeinflussen und wählen die falsche Lösung.

Über das Buch:  http://www.theecologist.org/reviews/books/885054/climate_change_denial.html

Lichtblick
Trotz Verdrängung und Gruppenzwang gibt es viele Menschen, die sich stark engagieren um die Klimakatastrophe aufzuhalten. Auf der ganzen Welt tun sich Menschen zusammen, gründen Vereine, erstellen Webseiten, sind aktiv. Sie verbringen ihre Zeit mit Planung, Sitzungen, Demonstrationen, Workshops, Forschung um endlich den nötigen Richtungswechsel einzuleiten. So sind wir z.B. bei den Freiwilligen von Greenpeace eine stetig anwachsende Gruppe. Physiotherapeutinnen, Studenten, Informatiker, Ingenieure, Selbstständige, Handwerker, Schüler usw. machen mit. Das ist toll und macht Spass! Denn je mehr wir werden, desto grösser wird der Gruppendruck von der anderen Seite. Und so zählt dann doch wieder jeder, der nicht verdrängt  und der Angst konstruktiv begegnet.