Donnerstag, 23. April 2020

Grosse Schuh-Demo in Zürich

Liebe Freunde, Verwandte und Bekannte

Ich habe lange nichts mehr geschrieben, einerseits, da ich trotz Corona- Krise voll ausgelastet bin und andererseits, da sich die Klimabewegung etwas zurück gezogen hat, um weitere Schritte zu planen. Ich hoffe, ihr seid alle gesund und soweit gut durch die Coronakrise gekommen. Bei uns in Zürich ist soweit alles ok.

Diese Mail von einem Bekannten, hat mich nun motiviert euch wieder mal zu schreiben, da mir schon oft die gleichen Gedanken durch den Kopf gegangen sind:

" ... mich beschäftigt die Frage, warum die Regierungen beim Corona-Virus die Wirtschaft hintenangestellt haben, beim „CO2-Virus“ hingegen nicht. Ich vermute, dass viele von den Erklärungen, die wir für die aktuellen Einschränkungen meist zu hören bekommen, zu wenig in die Tiefe gehen. Das hat natürlich auch eine Unzahl von zwielichtigen Erklärungsversuchen
auf den Plan gerufen (hier eine gute Seite mit Faktenchecks)  ...

Wenn man einfach nur behauptet, es gehe bei den aktuellen Massnahmen um reinen Schutz von Menschenleben, dann frage ich mich, warum man mit dem gleichen Argument nicht schon längst griffige Luftreinhalteverordnungen oder ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen oder das Verbot der Nutzung von Antibiotika in der Massentierhaltung eingeführt hat. ..."

Vom Schutz der Leben der jungen Generation oder der Leben im globalen Süden ganz zu schweigen.
Einerseits scheinen die Politiker für die Gesundheit griffigere Gesetze zur Verfügung zu haben (Pandemiegesetze), andererseits handelt es sich meist bei den Entscheidungsträgern auch genau um die Personen, die von Corona besonders gefährdet sind (ältere Männer). Eine weitere Vermutung ist, dass die Politik nicht den Zusammenbruch des Gesundheitssystems riskieren wollte, welches allenfalls zu Unruhen führen würde. Allerdings ist es für mich fraglich, ob es nicht wegen der zu erwartenden Wirtschaftskrise sowieso zu Unruhen kommt. Ausserdem hängt ja auch unser Klima eng mit unserer Gesundheit zusammen. Ich persönlich verstehe es nicht, dass seit Jahren z.B. die Gesundheitsgefahren durch Hitzesommer und immer höheren CO2 Konzentrationen in der Luft ignoriert werden.

Nun aber Schluss mit den Spekulationen, es gibt auch konkretes zu berichten:

Im Hintergrund ist viel gelaufen. So gehen die Arbeiten am Klima-Aktionsplan weiter, der von Klimastreikenden zusammen mit Experten aufgestellt wird und Wege aus der Krise zeigt. Weiterhin finden regelmässig Webinare, z.B. von Klimastreik statt, um die Aktiven zu vernetzen und weiter zu bilden. Diese gibt es sicher auch in eurem Land.

Die beiden Vereine fossil-free und films for future, mit denen ich eng verbunden bin, sind dabei sich für weitere Aktionen aufzustellen. Das films for future festival konnten wir ganz kurz vor der Krise noch erfolgreich abschliessen. Wir stellen nun regelmässig interessante Filme auf die Webseite, die günstig oder gratis online geschaut werden können. Bei beiden Vereinen kann man jederzeit aktiv werden, auch mit kleineren Aufgaben wie z.B. Leserbriefe schreiben, Social Media Posts erstellen, Filme bewerten usw..


Auch andere Bewegungen melden sich langsam aus dem Coronaschock und es gibt neue spannende Aktionsformen:

Aktuell in Zürich : SCHUH-KLIMADEMO MORGEN 24.4. auf dem Sechseläutenplatz

Diese Art der Demo hatte bereits bei der Pariser Klimakonferenz im November 2015 Furore gemacht.
Der Klimastreik sucht dafür noch Hunderte von Schuh-Paaren!  👞 👟 👠  👢 👡 Die Demo soll morgen auf dem Sechseläutenplatz stattfinden. Bitte meldet euch bei mir wenn ich bei euch Schuhe abholen soll oder bringt sie selber bis 10 Uhr auf den Platz (Achtung Abstandsregel einhalten und Schuhe mit Namen, Adresse und Telefonnummer anschreiben)

Aktuell in der Schweiz  

Unter dem Motto #CareNotDividends #JustRecovery läuft in der Schweiz eine Kampagme, die Banken auffordert keine Dividenden auszuzahlen, sondern das Geld lieber in lokale Projekt / Wirtschaft zu investieren. Hier kannst du die Petition unterschreiben, oder mit den Hashtags  #CareNotDividends #JustRecoveryauf Twitter teilen. Innerhalb eines Tages wurde die Nachricht mehrere tausend Mal geteilt.

Ich hoffe, ihr kommt weiterhin gut durch die eine Krise und vergesst nicht die viel grössere Klima-Tsunamiewelle, die hinter der kleinen Coronal-Welle auf uns zurollt. Bleibt Aktiv und glaubt daran, dass wir Menschen Krisen bewältigen können, wenn wir es wirklich wollen und dran bleiben.

Herzliche Grüsse und bis bald
Christina





Mittwoch, 26. Februar 2020

Klimabewegung gegen Corona


Liebe Freunde

Arrogantes Verhalten gefährdet uns alle
Das arrogante Schweizer Verhalten gegen Corona Virus zeigt: Wirtschaft steht über Menschenleben und die Schweiz wähnt sich unkrankbar. Während andere Länder Grenzen schliessen und klare Massnahmen ergreifen, benehmen sich die Politiker hierzulande, als wäre das Virus eine lästige Grippe. Dabei wird völlig ignoriert, dass die Todesraten deutlich höher sind und auch die Erkrankungen teilweise sehr viel schwerer. Von Langzeitschäden der Lunge gar nicht zu sprechen.

Wann will die Regierung aufwachen? Wenn der erste, vorher gesunde Schweizer Familienvater oder eine Mutter gestorben ist? Das erinnert sehr an die Massnahmen gegen den Klimawandel: Total arrogant und nicht der Gefahr entsprechend.

Eine Bitte an Klimabewegten: Protestiert für wirksame Massnahmen gegen Corona, denn das wird auch dem Klima helfen. Wir müssen endlich zeigen, dass unsere Menschlichkeit wichtiger ist als die Wirtschaft und das normale: Weiter wie Bisher - um jeden Preis. Corona stellt einen Ausnahmezustand dar, genau so wie der Klimawandel. Wir müssen endlich lernen angemessen zu reagieren.

Brief an die Verantworlichen
Deshalb habe ich folgenden kurzen Brief verfasst, den ich an den Bundesrat und die relevanten Kommissionen weiterleite. Ich freue mich über alle die mitmachen, damit wir den Druck erhöhen können.


An Alain Berset, den Bundesrat und die Kommissionen

Wir bitten Sie, alles Menschenmögliche gegen die Verbreitung des Corona-Virus zu tun, unter anderem auch die Grenzschliessung zu Italien. Das Virus ist viel tödlicher als eine Grippe und Erkrankte haben teilweise sehr schwere Symptome. China hat vieles getan, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, auch wir müssen dazu beitragen. Die Wissenschaft arbeitet mit Hochdruck an Gegenmitteln und Behandlungsmethoden, deshalb ist es umso wichtiger, die Ansteckungen zumindest zu verzögern. Das Schweizer Krankensystem muss nicht unnötig belastet und Menschenleben auf Spiel gesetzt werden. Bitte schliessen Sie die Grenzen und tun alles mögliche, um die Gefährdung der Schweizer Bevölkerung zu verhindern. Denn das wird nicht nur menschliches Leid verhinderen, sondern einen grösseren wirtschaftlichen Schaden, wenn plötzlich sehr viele Menschen durch Krankheit ausfallen. Genau wie beim Klimawandel, wird auch hier die Gefährdung unterschätzt und so lange ein "Weiter wie bisher" propagiert, bis es zu spät ist.

Ich hoffe auf Ihren Mut und dass sie nun schnell handeln, bevor es zu spät ist.


Mailadressen
Das Mail kann an folgende Adressen geschickt werden:

Sicherheitspolitische Kommissionen SiK: sik.cps@parl.admin.ch
Kommissionen für soziale Sicherheit und Gesundheit SGK: sgk.csss@parl.admin.ch
Redaktionskommission RedK: redk.cdr@parl.admin.ch
Kommissionen für Wirtschaft und Abgaben WAK: wak.cer@parl.admin.ch
Kommissionen für Wissenschaft, Bildung und Kultur WBK: wbk.csec@parl.admin.ch
Schweizerische Bundeskanzlei:  info@bk.admin.ch
Alain Berset : alain.berset@parl.admin.ch

Liebe Grüsse
Christina

Donnerstag, 30. Januar 2020

Corona gegen Greta


Aktuell in der Schweiz

Nächste Woche wird im Kanton Zürich über den Rosengartentunnel abgestimmt, ein gigantisches Bauprojekt, das rund 1 km Strasse unter die Erde bringt. Dafür bezahlen wir über eine Milliarde und torpedieren den Klimaschutz. Dieses Projekt will eine Mobilität der Vergangenheit durchsetzen, ist ein Schlag ins Gesicht unserer Jugend und dient vor allem der Finanzierung der Bauindustrie. Ich bitte alle 2x NEIN zu stimmen. Weitere Infos:  Faktencheck, Bausicht und Argumente des Komitees.


Aktuell Corona gegen Greta 1:0 

Warum erfahrt ihr in meinem neuen Artikel bei Journal21.
Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr auf der Webseite kommentiert und Journal21 weiter empfehlt.

Liebe Grüsse
Christina





Mittwoch, 18. Dezember 2019

Es Klimaweihnachtet sehr

Hier mal ein paar Weihnachtslieder, die hoffentlich eine "besinnliche" Stimmung auslösen

Ihr Kinderlein kommet:
 
Der Wandel des Klimas, er kommet schon bald
Zur Erde her kommt er, zerstört Meer und Wald
Und seht was in dieser hochkritischen Zeit
die Menschheit zerstört hat, der Natur zuhu leid

Der Wandel des Klimas, der ist schon jetzt da
Forschungs-Vorhersagen sind leider wahr.
Doch hier in Europa ist noch wenig zu sehen
Obwohl uns viele Menschen verzweifelt anflehen

Sie leiden schon jetzt daran und sterben still
An Dürre, Überschwemmung und anderm Unbill
Es scheint noch so weit, es betrifft uns ja nicht
Selbst die eigenen Kinder bringen keine Einsicht.

Ihr Katastrophe’hen kommet, oh kommet doch bald
Und rettet die Erde, und rettet den Wald
denn seht wie die Menschen in wenigen Jahrn
Mit unserer Heimat schlimm sind verfahr’n

Je früher wir merken, je eher verstehn
dass alles kaputtgeht, was wir je gesehn
desto schneller, so hoffn wir, wird etwas passier’n
bevor es zu spät ist, müssen wir reagier’n

Ihr Mensch'hehen kommet, o kommet doch all
Zu den Demos her kommet von über'herall
Und fordert von Wirtschaft und der Politik
Null Treibhausgase im Gesetz festgelegt


Kling Glöckchen:

Kli Klima Krihihihise, KriKrihise

Hört uns zu ihre Menschen
Schenkt uns eure Attention

Ist ein dringendes Thema
uns erwarten Extrema

Wetteher Katastrohophen Katastrophen


Kli Klima Krihihihise, Krikrihise

Männer hört und Frauen
Ihr könnt darauf bauen

Die Klimakrise ist hier
Handeln müssen jetzt wir

Wetteher wird extrehemer, wird extremer


Kli Klima Krihihihise, Krikirhise


Fangt jetzt an zu handeln
sonst wird sich alles wandeln

Streiken, nichts hinnehmen
Kommt aus den Sofas, den bequemen

Lö'sungen gibt es überall, Löslösungen
Lö'sungen sind nicht das Problem, nicht das Problem


Kli Klima Krihihihise, Krikirhise


In den Köpfen hakt es
Wir sind dauernd im Stress

befreit euch davon, fasst Mut
Gemeinsam handeln tut gut

so können wir das schahaffen, ja so kanns gehn
gemeinsaham schahaffen wihir das, kommt macht jetzt mit.


Kli Klima Krihihihise, Krikirhise


Lasst uns gleich beginnen
wir können nur gewinnen

Weihnachtlicher Konsum
ist ein grosser Irrtum

Shoppen mal stohohohopen, heute kauft ich nichts
Shoppen mal stohohohopen, heute kauft ich nichts

Zeit, Liebe, Zuhuwenhendung ist viel mehr wert
Zeit, Liebe, Zuhuwenhendung Klima sei dank

Dienstag, 15. Oktober 2019

Wählen oder Aussterben

Aktuell: Wahl in der Schweiz

Ich höre immer wieder :

  • Man kann doch eh nichts gegen den Klimawandel machen !
  • Die Politiker machen doch eh nichts !
  • Was ich mache hat doch eh keinen Einfluss !

Wenn das so ist, dann schadet es doch auch nicht mal ganz andere Leute zu wählen, z.B. Menschen die jetzt nicht in der Mehrheit sind - also keine SVP, keine CVP und keine FDP.

Gib doch mal anderen eine Chance und vielleicht ....

... wirst du ja überrascht und es tut sich was gegen den Klimawandel
... wirst du ja überrascht und die Poliker entscheiden sich für sinnvolle Lösungen
... wirst du ja überrascht und deine Stimme hat doch einen Einfluss

Und wenn nicht, dann hat es sicher nichts geschadet !

Wer noch mehr wissen will: Hier die wirklich tolle Zeitung der Klimajugend, mit ganz vielen Informationen zur Wahl. Ich habe ein bisschen mitgeholfen und auch ca. 600 verteilt.

Extinktion Rebellion (XR)
XR sind in aller Munde und ich war an einem Newcomer Treffen und wurde dabei gerade von der NZZ interviewt, da ich zufällig neben der Journalistin sass. Die Bewegung gibt mir Hoffnung, weil sie klar sagt in welcher Notlage wir uns befinden. Sie verharmlost nicht und macht euch nicht weiss, dass Abfall trennen unsere Probleme löst. Ich bin bei der nächsten Aktion sicher wieder dabei.
Hier der Artikel.

Liebe Grüsse
Christina


NZZ über Extinction Rebellion mit Zitat von mir

Der folgende Artikel ist am 11.10. in der NZZ mit einem kleinen Interview mit mir erschienen:

Die Sanduhr ist das Symbol der Klimaschutzbewegung, die gegen das Aussterben rebelliert. Ihre Botschaft lautet: Die Zeit läuft ab.

Im Krieg gegen das Klima – Extinction Rebellion ist längst auch in der Schweiz angekommen
Die Klimaproteste werden radikaler. Mit Strassenblockaden in Berlin und Paris sorgen die Aktivisten von Extinction Rebellion international für Schlagzeilen. Auch hierzulande sind sie aktiv. Ein Besuch bei einem Treffen.
Linda Koponen
11.10.2019, 05:30 Uhr

Mittwochabend, 19 Uhr, im Cabaret Voltaire in Zürich. Die Klimaschutzbewegung Extinction Rebellion – auf Deutsch: Rebellion gegen das Aussterben – hat Interessierte zu einem Kennenlernen eingeladen. Der Saal im hinteren Bereich des Lokals ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Auf der Bühne steht ein junger Mann mit türkisfarbenen Haaren und einem T-Shirt, worauf zwei übereinander stehende Dreiecke in einem Kreis abgebildet sind. Es ist das Symbol der Bewegung, eine Sanduhr mit der Botschaft: Die Zeit läuft ab.

Beim Newcomer-Treffen will XR, wie sich Extinction Rebellion selber nennt, neue Aktivisten für künftige Aktionen rekrutieren. Die Bewegung ruft weltweit zu zivilem Ungehorsam auf, mit dem Ziel, die öffentliche Ordnung zu stören und so auf das «massenhafte Aussterben» aufmerksam machen. Seit ein paar Tagen blockieren Aktivisten in zahlreichen Grossstädten wie Berlin oder Paris Verkehrsknotenpunkte.

Auch in der Schweiz gab es bereits einige Aktionen: In Zürich sorgte die grün gefärbte Limmat Anfang September für erste Schlagzeilen. Wenige Tage später fand in Luzern ein Trauermarsch statt, in Lausanne blockierten die Aktivisten eine Brücke. Damit erreichen die Klimaproteste, die ursprünglich von Greta Thunberg als Schulstreik initiiert wurden, eine neue, radikalere Stufe.

Doch was sind das für Leute, die sich auf Brücken legen oder Farbe in die Limmat schütten? Und was wollen sie mit ihren Aktionen erreichen?

Gandhi als Vorbild
Eine von ihnen ist Gloria. Sie engagiert sich seit vier Monaten bei Extinction Rebellion und ist für Medienanfragen zuständig. Aus beruflichen Gründen möchte sie in der Zeitung nur mit Vornamen genannt werden. Kurze Locken, roter Lippenstift, ein adretter Blazer: Optisch wirkt die 27-Jährige nicht wie eine Extremistin. Sie sei unpolitisch aufgewachsen, habe vor einem Dreivierteljahr erstmals an einer Klimademonstration teilgenommen, sagt sie. Auf Extinction Rebellion aufmerksam geworden sei sie durch eine Informationsveranstaltung. «Dort wurde mir so richtig klar, dass wir uns in einer existenziellen Krise befinden, die sofortiges Handeln erfordert.»

Die Bewegung, die Ende 2018 in Grossbritannien gegründet wurde, ist dezentral organisiert und kennt keine Hierarchien. In der Schweiz ist sie seit Anfang des Jahres aktiv, bis dato gibt es 15 lokale Gruppen. Die Zahl der Aktivisten hierzulande schätzt Gloria auf 200 bis 300 – Tendenz steigend. Die Organisation finanziert sich durch Spenden und kann sich dabei über grosszügige Geldgeber freuen. Vor wenigen Tagen kündigte R.E.M.-Frontmann Michael Stipe an, die gesamten Einnahmen seiner Solo-Single an Extinction Rebellion zu spenden. Andere wollen lieber anonym bleiben. Wer die Bewegung in der Schweiz finanziert, war nicht in Erfahrung zu bringen.

Die Forderung von Extinction Rebellion ist radikal: Netto null Treibhausgasemissionen bis 2025. Dabei müssten die Regierungen «die Wahrheit über die tödliche Bedrohung offenlegen und alle Gesetze revidieren, die ihrer Bewältigung entgegenstehen», heisst es in der Informationsbroschüre für die Interessierten. Konkrete Massnahmen schlägt die Bewegung indessen keine vor. Stattdessen wollen die Aktivisten Bürgerversammlungen einsetzen, «in denen diese voneinander lernen und gemeinsam Entscheidungen treffen, die nötig sind, um die Krisen abzuwenden und ein menschlicheres, ökologischeres System zu schaffen».

Dirk Baier ist Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Er verortet die Bewegung irgendwo zwischen Linksextremismus und Tierrechtsextremismus. Mit dem Linksextremismus teile sie die Demokratiefeindlichkeit, die Kapitalismusfeindlichkeit und die Handlungsorientierung. Zugleich gehe es der Bewegung nicht primär um die Umgestaltung der Gesellschaft in Richtung Anarchismus.

Die 37-jährige Myriam ist zeitgleich mit Gloria zu Extinction Rebellion gestossen. Es gehe nicht darum, die Regierung zu stürzen oder die Demokratie auszuhebeln, sagt sie. Bisher hätten klassische demokratische Mittel wie Petitionen oder bewilligte Demonstrationen jedoch versagt. Der Mitgründer von Extinction Rebellion, Roger Hallam, fand hierfür in einem Interview mit «Spiegel Online» derweil deutlichere Worte: «Wenn eine Gesellschaft so unmoralisch handelt, wird Demokratie irrelevant.»

Von den Störaktionen versprechen sich die beiden Frauen vor allem Aufmerksamkeit. Dass sie damit die öffentliche Ordnung störten, sei bedauerlich, sagt Myriam. «Es ist jedoch unsere moralische Verpflichtung, zu agieren und dabei auch die eigene Freiheit aufs Spiel zu setzen.» Dazu, sich verhaften zu lassen, sind weder Myriam noch Gloria derzeit bereit.

Andere Aktivisten nehmen das bewusst in Kauf, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. So auch der 27-jährige Kim, der sich seit Sonntag an den Blockaden in Berlin beteiligt. Der St. Galler ist bei Extinction Rebellion für Social Media verantwortlich. «Ich habe keine Angst davor, verhaftet zu werden oder meinen Job zu verlieren – wenn wir aussterben, dann gibt es auch keine Arbeitsplätze mehr», sagt er am Telefon. Die Geschichte gebe ihnen recht: Ziviler Ungehorsam habe bereits bei Gandhi oder Martin Luther King funktioniert. Es sei die Liebe zur Erde, die ihn antreibe. Zugleich habe er jedoch grosse Angst vor den gesellschaftlichen Konsequenzen der globalen Krise.

Unterschiedliche Risikostufen
Angst ist an diesem Mittwochabend auch das prägende Thema im Cabaret Voltaire. Die meisten der rund 60 Anwesenden sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Dabei sind Studenten, Kunstschaffende, Wissenschafter. Viele geben an, sich zuvor noch nie politisch engagiert zu haben. Man wähnt sich mehr an der Sitzung einer Selbsthilfegruppe als am Treffen einer Rebellenorganisation. Es sei schön, mit seinen Sorgen nicht länger alleine zu sein, sagt jemand.


Den Kern allen Übels verorten viele in der neoliberalen Ökonomie. Der Kapitalismus sei das Problem, sagt ein Neuankömmling und fordert einen Systemwandel. Dafür erntet er von einer XR-Aktivistin zustimmendes Nicken. Eine junge Mutter erklärt mit bebender Stimme, dass sie sich Sorgen um die Zukunft ihres Kindes mache, aber noch nicht genau wisse, wie sie sich engagieren wolle und ob sie bereit sei, sich verhaften zu lassen.

Am gleichen Tisch sitzt auch Christina Marchand. Sie hat sich bereits an mehreren Protestaktionen beteiligt, früher bei Organisationen wie Greenpeace und «fossil-free», zuletzt auch bei Extinction Rebellion. Als die Limmat in Zürich grün gefärbt wurde, stand die 50-jährige Chemikerin auf der Brücke und informierte die Passanten über die Ursachen und Folgen des Klimawandels. Leider würden nur Aufsehen erregende Aktionen von der Presse aufgenommen, sagt sie. Es reiche nicht, nur die Tatsachen zu kommunizieren.

In der Informationsbroschüre für die Neuen sind Aktionen unterschiedlicher Risikostufen aufgelistet. Zu Stufe null gehören legale Aktionen wie angemeldete Demonstrationen oder Stände. Aktionen der Stufe eins sind zwar teilweise rechtswidrig, den Aufforderungen der Polizei wird aber Folge geleistet. Erst bei Aktionen der zweiten Stufe wird eine Festnahme im Kauf genommen.

Sie habe immer darauf geachtet, nicht verhaftet zu werden – auch wegen ihrer Kinder, sagt Marchand. «Eine grössere Menschenmenge würde mir aber den Mut geben, mich auch festnehmen zu lassen.» Es bleibe schlicht keine Zeit mehr, demokratische Prozesse abzuwarten, sagt Marchand und fügt an: «Im Grunde befinden wir uns in einem Krieg gegen das Klima, deshalb sollte die Regierung auch den Notstand ausrufen und entsprechende Massnahmen ergreifen.»

Martialische Rhetorik
Eines der Kernprinzipien von Extinction Rebellion ist die Gewaltfreiheit. Die Rhetorik im kürzlich erschienenen Handbuch der Bewegung mutet jedoch in Teilen martialisch an: Es ist von der «Ökonomie als Krieg gegen den Planeten» die Rede. Davon, sich auch «körperlich in die Schusslinie zu begeben». Oder von «der heiligen Pflicht», gegen alles zu rebellieren, was der Verwirklichung und Vision der Bewegung im Wege stehe.

Droht bei stetiger Steigerung der Aktionen eine Eskalation? Mike Schäfer, der an der Universität Zürich zu Klimawandelkommunikation forscht, sagt: «Der Gewaltverzicht ist tief in der Bewegung verankert.» Extinction Rebellion sei eine friedliche Bewegung, die mittels symbolischer Aktionen und Blockaden politischen Druck ausüben und mediale Aufmerksamkeit erregen wolle. Ob die Bewegung von längerer Dauer sei, sei schwer einzuschätzen.

Fest steht aber, dass es kaum bei der grünen Limmat und dem Trauermarsch in Luzern bleiben dürfte. Was in der Schweiz als Nächstes geplant ist, wollen die Aktivistinnen nicht verraten. Gloria sagt dazu nur: «Wir hören erst auf zu rebellieren, wenn unsere Forderungen vollumfänglich umgesetzt werden.» Am Mittwoch dürften sie einige neue Mitkämpfer gewonnen haben.