Freitag, 24. Juli 2020

Nachhaltige Gebäude - Stand und Ziele

Ich beschäftige mich gerade mit der nachhaltigen Sanierung von Gebäuden und habe daher einige Informationen zusammen getragen.

Klima Impact von Gebäuden

Der Bau, die Sanierung und der Betrieb von Gebäuden sind für rund 30% aller CO2 eq. in der Schweiz verantwortlich, wovon 40% durch die benutzten Baumaterialien verursacht werden und rund 60% auf den Betrieb entfallen.  
(2019_0627_EMPA_MatCH_Synthese_Bericht, 2017_1016_EMPA_MatCH_Bericht_Bau_v8) 

Etwa zwei Drittel der Gebäudeemissionen stammen von Privathaushalten (Heizen und Warmwasser im Wohnbereich), ein Drittel von Dienstleistungs- und Gewerbegebäuden. Obwohl der pro Kopf Energiebedarf für Heizwärme und Warmwasser pro Kopf kontinuierlich gesunken ist (Econcept 2018), hat die Schweiz immer noch sehr hohe Pro-Kopf- Emissionen im Gebäudebereich. (Quelle: INFRAS 2019 basierend auf BFE )

Einen grossen Anteil haben dabei Heizen und Warmwasser, welche trotz eines Rückgangs der Verbrennung von fossilen Brennstoffen immer noch mehrheitlich mit Öl und Gas betrieben werden (60%). Oft werden auch heute noch defekte Heizungen wieder durchmit einer neue Ölheizung ersetzt., Iinsgesamt basieren rund 60% aller neu installierten Heizungen erneutweiterhin auf fossilen Brennstoffen. (https://www.pxweb.bfs.admin.ch/pxweb/de, https://www.fws.ch/unsere-dienstleistungen/statistiken/). 

Die graue Energie ist die Menge nicht erneuerbarer Primärenergie, die für alle vorgelagerten Prozesse, vom Rohstoffabbau über Herstellungs- und Verarbeitungsprozesse und für die Entsorgung, inkl. der dazu notwendigen Transporte und Hilfsmittel, erforderlich ist. Die daraus resultierenden TreibhausgasemissionenTreibhausgas Emissionen sind signifikant. In heutigen Neubauten macht die graue Energie ca. einem Viertel der gesamten Primärenergie für Erstellung, Betrieb und Mobilität aus. Mit 40 bis 50 kWh/m2 ist dies, verglichen mit dem Bedarf an Energie für Raumwärme und Warmwasser, ein grosser Anteil in der Energiebilanz. (https://pubdb.bfe.admin.ch/de/publication/download/8719) Bei Null- oder Plusenergiehäusern fällt der Anteil der grauen Energie natürlich noch mehr ins Gewicht und muss für eine wirkliche Netto-Null Lösung auch deutlich reduziert werden.  

Obwohl die Schweiz bereits heute sehr dicht bebaut ist, gibt es nach wie vor eine grosse Bautätigkeit, angetrieben durch Bevölkerungswachstum und veränderter Flächennutzung pro Einwohner (mehr Einzelwohnungen und ältere Personen, die einen höheren Flächenbedarf haben. (durchschn. Wohnfläche pro Person 46m2 (2018 BFS), Personen über 65 Jahre sogar 70m2 ). Erwartet wird eine Bautätigkeit in den kommenden Jahre auf weiterhin hohem Niveau (ca.45.0 Mio. Kubikmeter pro Jahr).

Der heutige Standard für Neubauten ist zwar deutlich strenger, vor allem was die Wärmedämmung und den Energieverbrauch angeht, dennoch werdenaber weiterhin Baugenehmigungen fürdürfen Gebäude ohne erneuerbare Energieerzeugung und mit fossilen Heizungen erteiltgebaut werden. Die beim Bauen verursachten CO2eq Emissionen werden meist gar nicht in die Energiebilanz der Häuser eingerechnet, so dass weiterhin Beton, Metall und Glas dominieren, welche zu hohen CO2 eq Belastungen führen.

Die energetische Sanierungsrate der Bestandsbauten liegt zurzeit bei etwa 1%. Um die Klimaziele erreichen zu können müssten jährlich ab 2021 bis 2030 10% energetische Sanierungen erfolgen. 

Hintergrund Klimastadt

In der Stadt Zürich wurde im Frühjahr 2019 der Verein Klimastadt Zürich gegründet, welcher den Klimaschutz in der Stadt Zürich vorantreiben und alle dazu nötigen Akteure in der Stadt zusammenbringen möchte. Mit der Stadt Zürich fanden verschiedene Gespräch und auch Treffen statt und es wurde angeregt Projektvorschläge zu machen. Im Verein Klimastadt Zürich sind unter anderem Solar und Energie-Experten vertreten, die die Bedeutung der Sanierung des Gebäude Parks kennen und hier grosses Knowhow haben. Deshalb möchte die Klimastadt versuchen in diesem Bereich Projekte in der Stadt voran zu treiben und die wichtigen Bereiche zu vernetzen. 
Eines der Hauptziele des Vereins: Klimastadt Zürich ist das Erreichen des NettoNull Ziels bis 2030. Dafür ist die Sanierung von Privathäusern sehr wichtig und besonders wichtig ist die Reduktion der grauen Energie bei der Sanierung.

Wir suchen Beispiele in der Stadt Zürich

Es werden rund 20 Gebäude ausfindig gemacht, für die ein umfassendes Sanierungskonzept erstellt wird. Die Gebäude werden so gewählt, dass sie den Gebäudepark der Stadt Zürich optimal repräsentieren, sowohl gemäss Alter, wie auch Bauart und Zustand. Die jeweiligen Sanierungskonzepte werden den Besitzern zu einem attraktiven Preis angeboten. Auf diese Art erhalten wir einen Katalog von Beispielen erfolgreicher Sanierungen und können andere animieren auch so zu sanieren. 

Mehr dazu, sobald das Projekt weitere Ergebnisse bringt.
Christina

Dienstag, 16. Juni 2020

Einige Leserbriefe und Kommentare 2020

Im folgenden einige Kommentare und Leserbriefe von mir:

Online im Tagesanzeiger am 16.6.2020 zu Artikel:
Antibiotika: Investoren machen Druck auf McDonald’s & Co

Spannendes Thema. Auch hier braucht es neben freiwilligem Einsatz klare Regeln und Gesetze. Genau wie bei der Corona- und der Klimakrise. Da unser System auf Gewinnmaximierung getrimmt ist, müssen die Rahmenbedingungen alles schützen, was sonst nicht beachtet würde, z.B. Gesundheitsschutz, Vorsorge, externe Kosten mit einrechnen usw. Ich hoffe, dass die "konservativen" Politiker bald einsehen, dass konservativ eigentlich schützen und bewahren heisst - sie derzeit aber eine Hochrisiko-Politik machen und die nachfolgenden Generationen die Leidtragenden sind. Die Freiheit des einzelnen (Konzerns) endet dort, wo andere beeinträchtigt werden.

Dienstag, 9. Juni 2020

Tagesanzeiger Kommentar CO2 Gesetz

Diesen Kommentar habe ich am 10.6. zu einem Artikel im Tagesanzeiger geschrieben:

Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber leider reicht es nicht, um wirklich voran zu kommen. Wie die Corona Krise gezeigt hat, schneiden Länder besser ab, die auf die Wissenschaft hören und lieber vorsorglich drastischere Massnahmen ergreifen. Das gilt beim Klimaschutz noch viel mehr. Mit griffigen CO2 Gesetzen fördern wir Innovationen und können weltweiter Vorreiter werden und unsere Produkte ins Ausland verkaufen. Aber mit so halbherzigen Massnahmen fallen wir zurück. Je unabhängiger wir von Öl, Gas usw. werden, desto besser für unsere Wirtschaft und inländischen Arbeitsplätze. Die 5 Tonnen pro Kopf im Artikel sind völliger Blödsinn, mit grauer Energie und Flügen verbrauchen die Schweizer mehr als alle anderen Europäer, nämlich über 13 Tonnen. Es ist schade, dass wir nicht - wie beim Bau unserer tollen Wasserkraftwerke - jetzt in die Zukunft investieren, so dass zukünftige Generateionen profitieren, so wie wir heute von den Investitionen unserer Urgrossväter profitieren können. Die Klimakrise ist die gefährlichste Bedrohung für unserer Zukunft, da ist Corona kein Vergleich. Und doch wird hier nicht richtig reagiert, sondern die aktuelle Bestand zementiert, anstatt mutig voran zu gehen. Konservative sollten doch eher vorsichtig und risikobewusst sein. Leider riskieren sie im Moment unser aller  Zukunft. Mich wundert auch, dass die Bauern nicht mehr Druck machen. Sie sind an der Front einer sich wandelnden Umwelt und stark betroffen.

https://www.tagesanzeiger.ch/das-sind-die-fuenf-groessten-streitpunkte-im-neuen-klima-gesetz-989788508434

Samstag, 30. Mai 2020

Nachricht an Karin Rykart

Sehr geehrte Frau Rykart

Ich habe ihren Beitrag im Tageblatt gelesen. Leider kommen Sie sehr arrogant rüber, was ich sehr schade finde. Anstatt sich zu freuen, dass Menschen Ihnen schreiben und an Sie mit Anliegen gelangen, benutzen sie Worte wie: " ... ausgestossen werden", ".. zu mir dringen". Das ist wirklich sehr negativ und stösst alle vor den Kopf, die sich an Sie wenden.

Es zeugt leider von wenig Verständnis für Ihre Wähler, wenn sie kein Verständnis zeigen, dass Menschen liebgewonnene Orte, wie den See oder auch ihren Letten vermissen, Orte die oft täglich aufgesucht werden und das mehrheitlich von Zürchern. Hier trifft man Kollegen, macht Sport usw. besonders wichtig für Menschen die nicht in einer schönen Genossenschafts-Siedlung wohnen. Ich habe wirklich kein Verständnis dafür hier zu argumentieren, dass diese Orte öfter von aussen besucht werden, als z.B. der Bürkliplatz oder das Landesmuseumparkt. Das erscheint einfach nur willkürlich.

Ausserdem führt am See ein wichtiger Rad / Fussgängerverbindung entlang, die ohne Ersatz wegfällt. Anstatt Ersatz zu schaffen, z.B. indem eine Spur der vierspurigen Autostrasse für Velofahrer freigegeben wird, wird die Situation für Radfahrer in der Stadt aktuell schlechter anstatt besser, da sehr viele eher agressive Autofahrer unterwegs sind und die Leute Angst haben, den ÖV zu benutzen. Kein Wort in Ihrem Beitrag, warum Zürich hier nicht, wie andere Städte, reagiert und den Veloverkehr nur attraktiver macht und unsere Städte vor der Autoflut rettet.

Ich hatte ihnen schon mal geschrieben, aber keine Antwort erhalten. Ich habe Angst, dass ihre grünen Wähler - so wie ich entäuscht werden - und die Grünen in der nächsten Wahl wieder absacken. Seit ihrer Wahl sehe ich auch keinen Tweet oder irgendeine Social Media Reaktion von ihnen, es erscheint so: Vor der Wahl tolle Aktivität mit Kommunikation für die Allgemeinheit, danach Flaute.

Bitte haben sie weiter ein offenes Ohr und bleiben Sie den grünen Anliegen treu !

Herzliche Grüsse und Danke für Ihr Engagement
Christina Marchand

Mittwoch, 27. Mai 2020

#CarbonFreeSwissBanks


Es gibt einen neuen spannenden Report von Greenpeace über die Föderung von fossilen Energie durch unsere Banken - erschreckend !! Verschiedene Organisationen haben deshalb zu Protesten gegen die Banken aufgerufen.

Fossil-free war natürlich aktiv dabei und hat die Proteste vor der UBS und CS auf dem Paradeplatz organisiert.

Bitte unterschreibt unsere Petition an die Banken: mein-geld-ist-sauber.ch und postet mit diesen Hashtags auf Twitter, Facebook usw.
#CarbonFreeSwissBanks #StopClimateChaos


Freitag, 15. Mai 2020

Bilder vom Klima-Challenge Tag

Hier mal einige Bilder und Filme vom heutigen Tag




Film vom Klima-Alarm auf dem Idaplatz in Zürich

Zeitungsberichte :





Challenge for future


Aktuell in der Schweiz

Heute findet in der Schweiz den ganzen Tag die #CHALLENGEforFUTURE statt, anstatt den geplanten ganztätigen Klimastreiks, mit Aktionen und Herausforderungen, die jeder in seinem Umfeld selber machen kann. Ausserdem gibt es den ganzen Tag einen Live-Stream von den Klimasteikenden, mit Interviews, Musik, Live-Chat usw.

Unser Verein, fossil-free.ch,  hat sich eine besondere Challenge ausgedacht:  Eine Informations-Kampagne an Bankomaten, denn leider befeuert unser Geld oft die Klimakrise, da Banken alte Industrien finanzieren. (PDF mit allen Sprüchen)


Link zum PDF mit den Bilder

Aktuell in Europa

Denn es ist wichtig, dass wir über Corona nicht die Klimakrise vergessen, die auch vorausschauend angegangen werden muss und im Gegensatz zu COVID-Eindämmung passiert hier noch viel zu wenig, denn die negativen Auswirkungen sind schon deutlich zu spüren und mit einem einfachen Impfstoff ist es nicht getan.

Aber es gibt viele gute Lösungsansätze. Es scheitert nicht an der Technologie und nicht am Geld, sondern eher in den Köpfen und an den mächtigen Lobby-Organisationen, der Industrien, die sich wandeln müssten.

Folgendes finde ich unterstützenswert:
AVAAZ Aufruf an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundeskanzlerin Angela Merkel und EZB-Präsidentin Christine Lagarde für einen Klimafreundlichen Wiederaufbau nach der Krise.

Ausserdem der GermanZero Klimaplan. Führende Wissenschaftler und Experten haben einen konkreten Plan ausgearbeitet, wie wir vorgehen müssen um bis 2035 klimaneutral zu werden.

Leider wenig in Zürich

Lokal kann man viel erreichen und viele Städte nutzen die leeren Strassen um den Menschen Raum zurück zu geben. Denn auch so kann man mehr Abstand halten, wenn die Menschen sich nicht auf engen Bürgersteigen oder kleinen Parks drängen müssen, sondern die Strassen freigegeben werden - zum Radfahren und Spielen, New-York, Mailand und andere Städte machen es vor.

Trotz leerer Strassen passiert in Zürich gar nicht, zumindest nicht offiziell, bis Umverkehr - eine kleine, aber aktive Organisation, einen neuen Veloweg erschaffen hat. Deshalb unten mein Brief an die grünen Politiker von Zürich, die solche Chancen nicht ergreifen.

Ich hoffe, ihr kommt weiter gut durch die Krise und habt heute Zeit, die ein oder andere Challenge mit zu machen.

LG
Christina



Brief an Stadträtin Karin Rykart

Ich habe grün gewählt und bin so enttäuscht, dass diese Krise nicht genutzt wird um endlich in Umweltfragen voran zu kommen. Viele Umfrage zeigen, dass die Menschen Veränderungen wollen  und jetzt ist es Zeit die leeren Strassen mit Velos / Fussgängern zu füllen und nicht Menschen in Wohnungen zu drängen und Parks zu sperren. Mehr Platz für Menschen, weniger Platz für Autos, das hilft die Corona-Abstände einzuhalten und gegen die #Klimakrise #Stadtklima. Ich würde mich soo freuen, wenn Sie ein bisschen mutiger vorgehen und endlich für Ihre Wähler eintreten.

Andere Städte machen es vor, z.B. NewYork, Mailand usw.

Ich bitte Sie voran zu gehen und die Klimakrise wirksam zu bekämpfen, indem der Notstand ernst genommen wird.

Herzliche Grüsse
Christina